Dass Volkswagen mit dem Golf epocheprägend sein wird, ist nicht von Anfang an klar. 1978 kommt ein weiterer Beitrag in der Kompaktklasse auf den Markt, welcher dem Golf hätte gefährlich werden können. Der Chrysler-Simca Horizon ist eine moderne Konstruktion, die alles für eine erfolgreiche Karriere mitbringt.
Er hat Frontantrieb, quer eingebaute Vierzylindermotoren, dazu Einzelradaufhängung, Scheibenbremsen vorn und eine große Heckklappe. Jene Zutaten, die von der modernen Kompaktklasse erwartet werden. Dazu kommt ein ansprechendes Design, welches den vier Jahre zuvor präsentierten VW Golf nicht mehr so frisch aussehen lässt.
Der Chrysler-Simca Horizon wird am Markt begeistert aufgenommen, das ereignet sich im Frühjahr 1978. Eine große Karriere scheint sicher, die jedoch einige Monate darauf einen ersten Dämpfer erhält.

Der Chrysler-Simca Horizon und die große verhinderte Karriere
Chrysler und Simca stellen den Horizon in der bewährten Baukastenmethode zusammen. Die Technik wird teilweise vom 1100 übernommen, weitere Komponenten wie die Sitze steuert der Chrysler-Simca 1307 (Link) bei. Der Horizon ist für Chrysler ein echtes Weltauto. Das Design entsteht in den Whitley Studios in England, den technischen Part übernehmen die Ingenieure von Simca in Poissy. Verkauft wird er weltweit, nach damaliger Definition sind das die Märkte in Nordamerika und Europe. Die Fahrwerksabstimmungen und kleinere Details der Karosserie unterscheiden sich zwischen den USA und Europa-Versionen, aber der überwiegende Teil bleibt kostensenkend gleich.
In den USA verkauft Chrysler den Kompaktwagen als Dodge Omni oder auch als Plymouth Horizon. Daraus entstehen für beide Marken zusätzlich sportliche Coupés und ein Pickup als Ableger, für die Alte Welt bleibt es aber bei einer Karosserievariante.
Je nach Land findet man in Europa den Horizon als Simca, als Chrysler, Chrysler-Simca oder als Saab-Valmet Horizon (Link). Das Weltauto bringt alles mit, was Käufer in der Kompaktklasse erwarten. Der Innenraum ist großzügig bemessen, die Lehne der Rücksitze ist umklappbar und die Ausstattung gilt als komplett.

Alles, was man benötigt, ist von Grund auf an Bord und Chrysler gibt sich großzügiger als Volkswagen mit dem Golf (Link). Die überdurchschnittlich gute Ausstattung hat H4 Scheinwerfer und eine beheizbare Heckscheibe in Serie. Sitze, die aus dem 1307 übernommen wurden, sorgen für den Komfort, den man von einem französischen Auto erwartet. Eigentlich hätte das moderne Konzept, mit bewährter Technik und gutem Preis, eine große Karriere machen müssen.
Kaum auf dem Markt ändert sich fast alles für den Chrysler-Simca Horizon
Doch nur wenige Monate nach der Premiere trennt sich Chrysler, unter finanziellem Druck stehend, von seinem Europageschäft. Für die Kunden in den USA bleibt alles wie gehabt. Sie können weiter bei Dodge und Plymouth einkaufen, der Konzern benötigt die Kompaktwagen mit europäischer Technik, um den Flottenverbrauch zu senken.

Doch in Europa übernimmt der PSA-Konzern. Das Chrysler-Simca Geschäft wird integriert und unter dem Namen Talbot weitergeführt. Das sorgt für Unruhe unter den Kunden und Händlern, zeitgleich lässt auch die Qualität der Fahrzeuge zu wünschen übrig. Die Verarbeitung wird als lieblos und fehlerhaft beschrieben. Auch die Rostvorsorge, die der Hersteller intensiv bewirbt, scheint mangelhaft zu sein.
Die Verkäufe entwickeln sich deshalb nur verhalten. Die Mixtur aus ungeklärter Zukunft und verbesserungswürdiger Qualität wirkt. In Großbritannien, einem der Schlüsselmärkte, gilt der in Poissy hergestellte Chrysler-Simca Horizon zudem als französisches Importauto, was nicht vorteilhaft für das Image ist.
Der Konzern benötigt vier Jahre, bis er die Produktion für das Vereinigte Königreich auch in das PSA-Werk nach Ryton-on-Dunsmore gibt, was dazu führt, dass die Verkäufe anziehen. Da allerdings ist die Konkurrenz bereits härter geworden und drängt mit viel moderneren Modellen auf den Markt.
Der Horizon wird zwar 1979 in Europa das Auto des Jahres, da er als vermutlich erster einen Bordcomputer hat, der die Berechnung von Wegzeiten, Verbrauch und Durchschnittsgeschwindigkeit ermöglicht. Aber die große Karriere, die möglich gewesen wäre, macht er nie.
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