Saab zeigt den 9000 Turbo 16 1984 den Medien, ein Jahr später läuft die Produktion in Schweden endlich im gewünschten Umfang und die Werbekampagne in Deutschland nimmt Fahrt auf. Erstmals liefern die Schweden ein Auto in der oberen Mittelklasse, es gibt zu Beginn nur eine Motorisierung.
Das 2-Liter-Turbotriebwerk mit vier Zylindern und 16 Ventilen leistet 175 PS und beschleunigt den 9000 auf Tempo 220. Damit gehört er zu den schnellsten Limousinen im Land. Ein Fließheck mit großer Heckklappe, Frontantrieb und Turbo anzubieten ist zu der Zeit unkonventionell.
Fast alle Mitbewerber setzen auf die konventionelle Bauform, auf Limousinen, große Saugmotoren und Heckantrieb. Dann kommt dieser kleine schwedische Hersteller und stellt alles infrage.

Der Saab 9000 CC Turbo, das Unkonventionelle setzt den Maßstab!
Für Saab geht es hier um vieles, vielleicht sogar um alles. Floppt der 9000, steht die Zukunft der Autosparte auf der Kippe. Der schwedische Flugzeugkonzern leistet sich eine Automobildivision, die immer wieder Anlass zu Sorge gibt. Sie stellt einen der kleinsten Anbieter auf dem Markt, das wirtschaftliche Überleben ist eine permanente Herausforderung. Der 9000 entsteht in Zusammenarbeit mit Lancia.
Neben dem Lancia Thema (Link) wird es den Fiat Croma und den Alfa Romeo 164 (Link) als Resultat der Kooperation geben. Allerdings trennen sich die Schweden schon in einem frühen Stadium von den italienischen Kollegen. Im Ergebnis hat der Saab danach mit Fiat, Lancia und Alfa kein identisches Bauteil mehr.
Der 9000 Turbo 16 kommt unter Zeitdruck auf den Markt. Die Automobilabteilung muss Erfolge liefern, und es ist so, dass der 9000 in der Hand der Kunden reift. Am Anfang ist kein ABS-System bestellbar, eine Unmöglichkeit für einen Anbieter, der die Sicherheit auf seine Fahnen geheftet hat. Doch der Erfolg ist überwältigend, und das Risiko beginnt sich auszuzahlen.
Saab überrascht und bringt den 9000 Turbo 16 mit einer Automatik
Das Potenzial, das in der Marke schlummert, wird sichtbar. Turbomotoren in der Oberklasse, das führt Saab ein, und zwei Jahre später folgt der nächste Coup. Bisher ist der Saab 9000 Turbo 16 ausschließlich mit einem manuellen 5-Gang-Getriebe bestellbar. Es gilt als ausgemacht, dass man Automatikgetriebe und Turbolader nicht miteinander kombinieren kann, da die Technik zu neu und anspruchsvoll ist.

Saab tut es trotzdem, erwirbt bei ZF eine 4-Gang-Automatik und verbaut sie in den 9000. Die Operation gelingt (Link), Turbo und Automat harmonieren, allerdings kann man damit nicht nur Fahrfreude, sondern auch astronomische Verbrauchswerte erleben.
Die italienischen Gene des Saab 9000 Turbo 16
Der 9000 ist zwar ein schwedisches Auto, aber er trägt auch italienische Gene. Das Außendesign kauft sich der Hersteller bei Giorgetto Giugiaro, der außerdem bei der Gestaltung des Lancia Thema und Fiat Croma Hand anlegt. Der Entwurf des Saab-Hausdesigners Björn Envall findet bei der Geschäftsleitung keinen Gefallen, er darf sich erst bei der zweiten Generation des Saab 9000 verwirklichen.
Und selbst die Urheberschaft des Innenraum-Designs ist nicht frei von italienischem Einfluss. Zumindest in Saab Kreisen wird es Envall zugeordnet, tatsächlich spielt mit Aldo Sessano und Open Design ein weiterer italienischer Einfluss eine Rolle. Open Design wird von Saab immer wieder für verschiedene Projekte gebucht, auch für den 9000.
Wer auch immer die Urheberschaft für sich beanspruchen kann, liefert im Innenraum das typische, hochwertige Design, das für Saab und die hohe Ergonomie der Fahrzeuge steht.
Eines aber haben die Macher und Verfechter des Unkonventionellen übersehen. Das Zündschloss, das bei Saab seit den Zeiten des 99 (Link) auf der Mittelkonsole zu finden ist, wandert zurück in die Lenksäule. So wie bei fast allen anderen Fahrzeugen auch und zumindest Mietwagenkunden, die in einem Saab verzweifelt danach suchten, werden es dem Designer gedankt haben.
Entdecke mehr von carstories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

