Ein Sportwagen, kein Spielzeug, Matra-Simca Bagheera

Zu den Fahrzeugen aus den 70er Jahren, die wir mit einer frischen Fahrerlaubnis in der Tasche in den 80ern als bezahlbare Gebrauchtwagen begehrenswert empfinden, gehört der Matra-Simca Bagheera. Die Form ist atemberaubend, der flache Keil aus Frankreich ist ein Sportwagen im Stil eines Lamborghinis.

Aber während der Lamborghini unerreichbar ist, bekommt man den Bagheera zum kleinen Preis. Natürlich wissen alle, die beim Gebrauchtwagenhändler um den Bagheera schleichen, dass der freundliche Preis einen Grund hat. Der Bagheera, der mit Simca, Matra und Chrysler gleich drei Nachnamen trägt, besitzt einen fürchterlich schlechten Ruf.

Und den leider nicht ohne Grund.

Kein Spielzeug, ein Sportwagen
Kein Spielzeug, ein Sportwagen

Ein Sportwagen, kein Spielzeug, Matra-Simca Bagheera

Das liegt nicht wirklich daran, dass der ADAC dem Bagheera 1975 den Preis der silbernen Zitrone verlieh. Ein Negativpreis für Neuwagen mit den schlimmsten Mängeln ab Werk. Den übrigens vor dem Matra der Ford Taunus 1600 GXL erhielt, was komplett merkwürdig schnell vergessen wurde.

Der Bagheera hat aber in den 80er Jahren, und vielleicht bis heute, noch den Zitronengeruch anhaften und den Ruf, ein schlechtes Auto zu sein. Woran liegt es?

Eigentlich ist der Bagheera genial schräg. In einer Reihe finden drei Passagiere Platz, was dem Wagen zu einer gewissen Breite und optischen Präsenz verhilft. Französisch merkwürdig ist die Tatsache, dass nur der Fahrer einen Einzelsitz erhält, der seinen Weg zwischen Plüschsessel und Sportbestuhlung sucht. Die Mitreisenden sitzen auf einem Zweiersofa, das bei der Serie 1 Bagheera noch mehr Chaiselounge als bei Serie 2 ist.

Die Kunststoffkarosserie von Matra, ein Unternehmen, das sich mit der Verarbeitung von Kunststoffen auskennen sollte, ist undicht. An diversen Stellen, wie ein Freund damals herausfindet. Er versucht eine Kurzzeitbeziehung zum Matra-Simca Bagheera aufzubauen. Zeitgenössische Berichte erzählen von durchnässten Sitzen und einer daraus resultierenden Treibhausatmosphäre, die das komplette Auto umfasst.

Aber es waren nicht nur die Sitze, auch der Rest tendiert in Richtung Feuchtbiotop.

Matra Bagheera S, 1975. Ein Traumwagen für Unerschrockene.
Matra Bagheera S, 1975. Ein Traumwagen für Unerschrockene.

Das Zusammenspiel zwischen Stahl und Kunststoff ist jedenfalls alles andere als gut, die Montage bei Matra ist leger, ob eine Rostvorsorge stattfindet, ist nicht gesichert. Das fahrende Treibhaus rostet im Akkord, aber es gibt nicht nur Schlechtes über den Bagheera zu erzählen.

Technik aus der Großserie – zuverlässig und anspruchslos

Denn die Technik kommt von Simca, sie ist aus der Großserie und sowohl zuverlässig als auch anspruchslos. Die 90 PS im Bagheera S Serie 1 reichen für Tempo 185, das ist schnell und der Wind tost durch die Türrahmen, die von der Karosserie abheben, in den Innenraum. Der Keil mit ausfahrbaren Klappscheinwerfern räumt jedoch zuverlässig die linke Spur der Autobahn frei, auch weil er nach viel mehr aussieht.

Eigentlich ist es jammerschade, dass bei Matra so wenig Wert auf Details gelegt wird, obwohl man sich Mühe gibt und den Bagheera permanent verbessert. Denn nicht nur das Design ist toll, auch das Konzept begeistert. Auf dem Papier.

1980 endet die Produktion, auf den letzten Metern gibt es im Jahr zuvor einen Namenswechsel in Talbot-Matra Bagheera. Chrysler ist draußen, Peugeot mit der PSA-Gruppe drinnen.

Simca wird als ein ernst zu nehmender Rivale entsorgt, der Talbot Name wird neu belebt und ein weiteres Drama nimmt seinen Lauf.


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