Wie kann es sein, dass ein Auto, welches Millionenfach produziert wurde, heute komplett aus dem Straßenbild verschwunden ist? Der Opel Kadett E war ein Bestseller der deutschen Traditionsmarke. Er war einst an jeder Straßenecke zu sehen und kämpfte zeitweise mit dem VW Golf um die Krone des beliebtesten Autos der Deutschen.
Mit dem D Kadett (Link) hatte Opel die Distanz zu Volkswagen verringert, mit seinem Nachfolger wollte man die Niedersachsen überholen. Die technische Basis stellte für beide Modellgenerationen die identische GM Plattform, was der Kunde jedoch nicht mitbekam. In Rüsselsheim investierte man dermaßen mutig in den aerodynamischen Feinschliff, dass bei der Premiere geschätzt zwei Fahrzeuggenerationen zwischen den beiden Kadett lagen.

Der neue Kadett: Opel verkauft Technik für den Menschen!
So viel Feinschliff zahlte sich aus. Der CW-Wert von 0,32 galt als aufsehenerregend, und jenseits der modernen Karosserie blieb Opel seinen Werten treu. Wie bei dem Vorgänger lieferte auch der neue Kadett viel Platz im Innenraum und eine einfache Bedienung. Wer den alten Kadett kannte, der kam mit dem neuen ohne jeden Blick ins Handbuch zurecht. Alle Schalter saßen dort, wo sie einfach zu bedienen waren.
Der Werbeslogan, dass man Technik für die Menschen designt, traf hier voll zu.
Die moderne Karosserie passte gut zum Kadett GSI, bei dem die Ingenieure zeigen durften, was möglich war. Mit feiner Detailarbeit reduzierte sich der CW-Wert nochmals auf 0,30, der GSI übersprang die 200 km/h Marke und erstmals war es so, dass der Golf GTI neben dem Opel überraschend alt wirkte. Dazu kamen die digitalen Instrumente, die vielleicht nicht sonderlich alltagstauglich waren, die aber ein ganz klares Signal in Richtung Zukunft sendeten.

Neben dem Kadett GSI sieht der Golf GTI plötzlich alt aus
Für Golf GTI Fans begann spätestens dann eine schwere Zeit, als der Opel in den Fachzeitschriften gut abschnitt und in einigen Vergleichstests vor dem Golf landete. Volkswagen musste nachrüsten, der Druck aus Rüsselsheim wirkte, und mit dem GTI 16V veränderten sich die Verhältnisse wieder zugunsten der Wolfsburger (Link).
Dass Opel umgehend reagierte und stärkere Versionen in die Verkaufsräume schickte, gehört zur Geschichte der ewigen Rivalität von GTI und GSI dazu.
Dass der Kadett E letztlich den Golf imagemäßig nicht vom Thron stoßen konnte, lag nicht an seinen technischen Qualitäten. Opel servierte solide Technik und einen ausgefeilten CW‑Wert sowie eine gute Ausstattung zum fairen Preis. Auch beim Innenraum hatte man sich Mühe gegeben und Polster und Farben dem Zeitgeschmack entsprechend gestaltet.

Heute ist der Kadett E aus dem Straßenbild verschwunden
Die flammende Liebe wurde aber durch die billigen Kunststoffe in depressiven Grautönen verhindert, die an einen Chevrolet erinnerten und die nicht mit der Qualität mithalten konnten, die Volkswagen lieferte. So entschied oft das Wohlfühlgefühl und die Wahrnehmung von Solidität an Bord gegen den Opel und für den VW. Eigentlich ist es so, dass der Kadett E mit all seinen Stärken an dieser Stelle mehr Liebe von seinen Machern verdient hätte.
Dazu kamen generelle Probleme mit der Qualität. Der Kostendruck, den Opel auf die Lieferanten ausübte, wirkte sich negativ auf deren Komponenten aus, und das Image der Marke nahm langfristig Schaden.
Die letzte Opel Generation mit dem traditionellen Kadett Namen wurde dennoch ein großer Erfolg. Fast 3,8 Millionen Exemplare wurden zwischen 1984 und 1991 hergestellt.
Der Kompaktwagen mit dem Blitz auf der Haube war aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. Heute ist der Kadett E komplett verschwunden. Die meisten Exemplare wurden in einer Kombination von Korrosion und mangelnder Zuwendung ihrer Besitzer aus dem Leben gerissen.
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Der GSI war damals Mega interessant. Hätte Opel dem normalen Kadett auch etwas von diesem Style geschenkt, vieles wäre besser gelaufen. Aber scheinbar hat das im Marketing keinen interessiert.
Leider hat Opel mittlerweile seine Eigenständigkeit fast komplett eingebüßt. Nur noch Stellantis Motoren, keine eigene Innovationen, nur noch traurig
Von 1994 bis 1997 konnte man quasi nochmals neue Kadetts kaufen, auch wenn Daewoo Nexia am Heck stand. Es gab nur noch Schräg- und Stufenheckkarossen, dafür aber einen Airbag für den Fahrer und alles war nach asiatischem Geschmack rundgelutscht.
Aber auch diese Autos findet man heute so gut wie gar nicht mehr. Die Geschwister teilen ein gemeinsames Schicksal …