Eine tropisch heiße Idee aus Wolfsburg – der Scirocco Tropic

Was unternimmt man, wenn der Absatz stockt? Richtig, man beginnt die Kauflaune mit Sondermodellen zu stimulieren. Der Scirocco sorgt in den 80er Jahren für Sorgenfalten in der Wolfsburger Vorstandsetage. 1981 auf dem Markt gebracht, will die zweite Auflage des Wüstenwinds nicht so richtig durchstarten.

Das Management gibt sich überrascht. Die Kunden, speziell die Jungen, sind es nicht. Sie haben noch die erste Version des Scirocco vor Augen. Die scharfe, kantige, von Giugiaro (Link) entworfene Form hat Furore gemacht, und zeitweise wird VW von der Nachfrage überrollt. Dieser Scirocco hat heiße Fans, er ist der Liebling der Tuner und der Bastler-Szene.

Und dann rollt Volkswagen tatsächlich einen vergleichbar langweiligen, schwer seriösen Nachfolger an den Start.

Der Scirocco Tropic, vergleichsweise langweilig
Der Scirocco Tropic, vergleichsweise langweilig

Eine tropisch heiße Idee aus Wolfsburg – der Scirocco Tropic

Im direkten Vergleich zwischen Scirocco I und II ist der Zweite sehr rundlich, langweilig und optisch nicht durchtrainiert. Wo sind die scharfen Formen und Kanten geblieben, fragt sich der Kunde. Das Design ist ein VW-eigener Entwurf, Giugiaro hat sich vergebens um den Auftrag bemüht und das größer, komfortabler und weniger polarisierend ist in Wolfsburg so gewollt.

Außerdem ist er teuer. Mehr als 3.000 DM teurer als der Vorgänger. Das ist von allem zu viel. Er ist nicht hässlich, er ist in allen Bereichen besser als der Vorgänger, die Kunden aber schmollen. Wird Scirocco Nummer 1 noch wie warme Semmeln verkauft, so steht sich die Nummer 2 von Anfang an die Reifen eckig.

Schon im ersten Jahr ist der Absatz um 25 % unter den Planvorgaben, und so geht es munter weiter.

Vielleicht hätte das Management die Kunden fragen sollen. Jene, die mit der Nummer 1 glücklich sind und nicht loslassen wollen. Der Konzern versucht es mit Sondermodellen, mehr Ausstattung für weniger Geld undmit Rabatten. Aber nichts will so richtig funktionieren.

Printwerbung für den Scirocco Tropic, 1986
Printwerbung für den Scirocco Tropic, 1986

Der Scirocco Tropic soll die Kauflust stimulieren

Eine der vielen Sonderversionen ist der Scirocco Tropic, der 1986 in einer Auflage von 2622 Fahrzeugen produziert wird. Der tropische Wüstensturm wird wahlweise in Madisontürkis Metallic oder in Kiwi Braun angeboten. Spoiler und Schweller und dazu passende Leichtmetallräder lassen den Scirocco attraktiv erscheinen. Das entsprechende spezielle Oliv-Türkis-Design setzt sich mit den Sportsitzen im Innenraum fort.

Volkswagen spricht von einem Vollblut-Sportcoupe, welches man mit vier verschiedenen Motorisierungen erwerben kann. Man bleibt aber kleinlich, wenn es um das Radio geht. Das Beta-System ist maximal etwas für den älteren Herren, nichts für die junge Kundschaft, von der man träumt.

Natürlich stellt sich die Frage, ob diese überhaupt beim Scirocco Tropic anvisiert ist. Blaue Schmetterlinge und Madisontürkis, das spricht eine vollkommen andere Sprache. Tatsächlich verbucht der Scirocco einen ungewöhnlich hohen Anteil weiblicher Neuwagenkäufer. Es sind mehr als 20 %, was zu dieser Zeit ein bemerkenswert hoher Wert in diesem Segment ist. Vermutlich stellen sie in den Augen der Marketing-Strategen die Zielgruppe.

Jahrzehnte später sieht man das 80er Jahre Sportcoupé natürlich mit anderen Augen. Die gewagten Farben von damals sind fast schon Kult. In welcher Werkshalle steht noch ein fabrikneuer Scirocco Tropic, den man damals vergessen hat?


Entdecke mehr von carstories

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Das könnte auch gefallen:

4.5 2 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

2 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Pascal
Pascal
8 Monate zuvor

Ich besitze noch einen .

Bodie
Bodie
5 Monate zuvor

Hätte in den 90`ern fast einen gehabt, jetzt habe ich 2 GT II und einen Scala.

2
0
Was denkst Du? Hinterlasse einen Kommentar!x