Ist es Sturheit oder der Glaube an die Unendlichkeit des Käfer-Konzepts, der Volkswagen zum VW 411 treibt? 1968, als der 411 auf dem Markt erscheint, sind gegenläufige Markttendenzen schon klar auszumachen. Frontmotor und Frontantrieb sind die Zukunft, zumindest jenseits von Wolfsburg.
Doch die Niedersachsen halten verbissen an ihrem Konzept fest, auch wenn der 411 keineswegs nur ein großer Käfer ist. Er erhält eine selbsttragende Karosserie und erstmals bei Volkswagen auch vier Türen. Sonst aber meidet man jede Änderung. Motor hinten, Kofferraum vorn und Antrieb über die Hinterachse. Mit allen Vor- und Nachteilen.
Denn es gibt tatsächlich praktische Gründe, die zum Kauf eines VW 411 verleiten können.

Es gibt wirklich gute Gründe, einen VW 411 zu fahren
In den 60er Jahren gibt es in der Familie einen Onkel, er trägt den Namen Wilhelm, der es im Leben zu etwas gebracht hat. Er ist Oberamtsrat, sein Haus hat er in Nachbarschaft meines Großvaters im feinsten Viertel der Stadt gebaut. Ich habe ihn als freundliche, aber Respekt fordernde Persönlichkeit in Erinnerung, der Besuch in seiner Amtsstube ist stets ein würdevoller Vorgang.
Er hat jedoch ein automobiles Problem. Während das Haus meines Großvaters über eine großzügige Zufahrt zu den Garagen verfügt, ist das Grundstück des Onkels etwas bescheiden geschnitten. Warum ist nicht zu klären, aber die mangelnde Größe setzt ihn unter Druck.
Er baut die Garage für seinen Wagen im Souterrain, es entsteht eine Ein-Auto-Tiefgarage von überschaubaren Dimensionen.
Das ist damals nicht ungewöhnlich, Autos sind verglichen mit ihrer heutigen Größe zierlich und da er aus Überzeugung immer nur ein Fabrikat von Volkswagen fährt, ist nicht mit Überraschungen zu rechnen. Allerdings fällt die Zufahrt, durch den Zuschnitt des Grundstücks bestimmt, besonders steil aus. Die Betonrampe hinunter in die Garage hinein wird zum fiesen Problem, auch wenn sie mit auffälligen Querfugen für bessere Traktion entschärft wird.

Ein VW 411 schafft die Rampe bei jeder Witterung
Aber bei Eis und Schnee, und die Winter sind damals noch schneereich, gibt es kaum ein Fahrzeug, das die Steigung in beiden Richtungen gefahrlos und zuverlässig meistert. Es sei denn, man fährt einen Volkswagen. Einen mit Heckmotor. So kommt der Wechsel vom Käfer zum VW 411. Der gilt als bescheiden genug, um nicht aufzufallen und ist dennoch der große Volkswagen, um zu zeigen, dass man wer ist.
Der 411 packt tatsächlich die Rampe. Zuverlässig, hoch und runter und zu jeder Jahreszeit und Witterung. Als der Onkel seine Amtsstube räumt und die Pension genießt, bleibt der VW. Er bleibt buchstäblich für immer, und er macht sogar den Wechsel ins Altersheim mit.
Denn Volkswagen bringt es 1973 fertig, zum Frontantrieb mit Frontmotor zu wechseln und verkauft jetzt Autos wie den Passat, die es nicht in die Ein-Auto-Tiefgarage hinein und heraus schaffen. Der 411 aber kann es. Kompromisslos zuverlässig, wie ein Volkswagen sein soll.
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Die Traktion ist tatsächlich fantastisch. Das meiste Gewicht liegt hinten, vorn ist der Kofferraum um viel Luft. Da geht schon was.
Ein toller Bericht über den 411, der auch in meiner Familie gefahren wurde. Das weckt Erinnerungen!
Na ja, der Passat ist auch eine Nummer kleiner, als der 411/412. Der Passat ist untere Mittelklasse, der 411 obere Mittelklasse.
Der VW mit Frontantrieb und Frontmotor für moderne VW-Kunden nahe der Oberklasse war der K70 und lief zusammen mit dem 411/412 in Salzgitter vom Band und ergänzte das vorher fehlende Stufenheck in dieser Klasse für VW.