Lieber ab und zu Gutes, als jedes Jahr Neues, sagt Volkswagen

Ist es die gute alte Zeit, als die Uhren langsamer als heute gehen? Wir schreiben das Jahr 1971 und Volkswagen baut seit 1948 den Käfer. Nicht unverändert, das ist klar. Mit vielen Verbesserungen, immer wieder, aber im Prinzip doch das Urmodell von einst, was vor sich hin reifen darf.

Ein Ende der Geschichte ist nicht in Sicht, und Volkswagen steht damit nicht alleine.

Saab ist ähnlich lange mit dem Saab 92, der über die Jahre zum 93 und 96 reift, unterwegs. Bei Citroën scheint die DS (Link) alternativlos und für ewig gesetzt, Mercedes lässt sich mit jeder Neuheit sehr viel Zeit. Und die Liste könnte man noch um einiges länger weiterführen.

Tatsächlich sind von 7 Modellreihen aus Wolfsburg bereits 4 überproportional lange im Rennen.

Volkswagen und die Dauerläufer im Programm
Volkswagen und die Dauerläufer im Programm

Lieber ab und zu Gutes als jedes Jahr Neues, sagt Volkswagen

Natürlich gibt es im Land Kritiker, die Volkswagen vorwerfen, sämtliche Trends zu verschlafen. Das Heckmotorkonzept ist nicht mehr unantastbar, der Käfer ist es ebenfalls nicht. Der VW 1600 (Typ 3), der erste Ausflug der Marke in eine höhere Fahrzeugklasse, ist vom Start weg in der Kritik, er gilt vielen als aufgeblasener Käfer.

Nicht besser bestellt ist es um den größeren Typ 4, der mit dem Käferkonzept weiterhin spielt und ziemlich klar die Grenzen von Heckmotor und luftgekühlten Triebwerken aufzeigt. Ziemlich eindeutig deutet das Ende der behutsamen Entwicklung, des konservativen Festhaltens, der K70 an, den Volkswagen 1970 adoptiert. Er kommt aus der NSU-Beziehung. Er hätte eigentlich unterhalb des Ro 80 die Palette der Neckarsulmer ergänzen sollen und ist erschreckend modern.

Die Zeichen an der Wand künden den Wandel an

Frontmotor, Frontantrieb, Reihenvierzylinder und Wasserkühlung, das muss in den Ohren der Volkswagen-Gläubigen 1970 wie Ketzerei geklungen haben, und es sind tatsächlich die Zeichen an der Wand, die ein Umdenken ankündigen.

Es mag sein, dass Volkswagen mit der Printwerbung in den deutschen Medien die Kundschaft beschwichtigt und die Händler in Sicherheit wiegen will. Denn es gibt einige Unruhen und manch einer zweifelt an der Zukunft der Marke. Die Zeit schreitet unerbittlich voran, und die Dauerbrenner in der Produktpalette bekommen das rasch zu spüren.

Volkswagen Printwerbung 1971, Koloriert
Volkswagen Printwerbung 1971, Koloriert

Der revolutionäre K70 bleibt nur bis 1975 im Programm und wird nach gerade einmal 5 Jahren entsorgt. Er ist bei VW nie beliebt, das rasche Ende ist keine Überraschung. Dem VW Typ 4 ergeht es nicht viel besser. Nur von 1968 bis 1974 dauert die Karriere, dann übernimmt der Passat. Auch für den kleineren Typ 3 ist der Passat das Todesurteil, immerhin wird er von 1961 bis 73 produziert, und damit ziemlich lange.

Der Langläufer von Volkswagen – es kann nur einen geben

Ein echter Langläufer ist hingegen der Karmann-Ghia (Typ 14). Er überlebt Typ 3 und Typ 4, von 1955 bis 1974 hergestellt, geht er in die Ruhmeshalle der Fahrzeuge mit einem besonders langen Leben ein. Verglichen mit ihm ist der VW Porsche (Link) nur eine Randnotiz in der Geschichte. Ihn kann man nur für 7 Jahre kaufen.

Allerdings schummelt Volkswagen in der Werbung, vielleicht weil es gut aussieht. Den T2 Bus gibt es erst seit 1967, der jedoch bis 1979 durchhält, was ebenfalls bemerkenswert ist.

Der wahre Dauerläufer und Rekordhalter bleibt der Käfer. Dem ist alles egal, da können Typ 3 und 4 kommen und gehen und der Golf am Horizont erscheinen. Legenden sterben nie, sie sind unantastbar, und der Käfer bleibt tatsächlich bis 2003 im Geschäft, womit er alle seine Markenbrüder um Ewigkeiten schlägt.


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