Kein Lamborghini und kein Lotus, ein Matra Bagheera

Die Farbe macht etwas mit uns. Gelb ist das Erkennungsmerkmal hochpreisiger Sportwagen. Ein Signal für Extravaganz, für das Auffallenwollen. In den 70er Jahren natürlich auch eine Signalfarbe, mit der auch ein VW oder Fiat unterwegs sein kann. Aber sie steht einem Lamborghini ebenso gut wie dem Lotus, und wenn ein Matra Bagheera in Gelb vorfährt, zieht er natürlich alle Blicke auf sich.

Mit den wirklich kostspieligen und exklusiven Fabrikaten hat die Marke aus dem Simca-Chrysler-Verbund mehr gemeinsam, als man ahnt. Der Mittelmotor leistet in der einfachen Version nur 84 PS, aber er ist ein Mittelmotor. Und schon allein dieses Wort, nebenbei am Tresen bei einem Bier erwähnt, reicht aus, um aus dem Bagheera einen imagestarken Sportwagen werden zu lassen.

Dass Matra tatsächlich in Richtung Lamborghini und Lotus schielte und einen entsprechenden Prototyp baute, ist Teil dieser Autogeschichte.

Der Matra Bagheera (1975)
Der Matra Bagheera (1975)

Kein Lamborghini und kein Lotus, ein Matra Bagheera

Der Bagheera ist ein Sportwagen mit mehr Image als Substanz, seine Schwächen haben wir schon einmal beschrieben (Link), aber er fasziniert. Weil er für ein vergleichsweise kleines Geld auch als Neuwagen bei jugendlichen Sympathisanten ein Mega Image hat. Bis dann der ADAC 1975 mit seinem Marktbericht kommt, dem Bagheera die silberne Zitrone verleiht und so ziemlich fies sämtliche Sportwagenträume nachhaltig zerstört.

Allerdings treibt auch den Hersteller selbst der Wahnsinn um, nicht nur die Käufer, die sich der negativen Presse zum Trotz an das Abenteuer wagen. Es gibt zwei Varianten, mit 84 und 90 PS aus einem braven Vierzylinder, und das ist Matra zu wenig. Wie etliche Marken zuvor und danach, macht man aus zwei Motoren einen.

So erhält der Matra Bagheera einen Achtzylinder und der Weg zum Lamborghini oder Lotus ist gar nicht mehr weit.

Matra Bagheera: Der Achtzylinder kam nie
Matra Bagheera: Der Achtzylinder kam nie

Der Matra Bagheera U8, der nicht realisierte Porsche Jäger

Und weil wir vom Wahnsinn sprechen, gibt es den Achtzylinder selbstverständlich nicht in der üblichen V-Form. Matra macht daraus einen U‑Achtzylinder-Motor. Vermutlich geschieht es aus Platzgründen, denn es bleibt weiterhin beim Mittelmotor Konzept.

Jetzt ist der Bagheera 160 PS stark und 238 km/h schnell. Das Fahrerlebnis muss besonders intensiv gewesen sein, denn Testberichte aus der Zeit erzählen von abhebenden Türramen bei normalen Serienmodellen und bereits bei Tempo 180. Theoretisch, hätte Matra den U8 Wahnsinn realisiert, hätte der Bagheera jeden Lotus, und Ferrari, Porsche und Lamborghini in echte Schwierigkeiten bringen können.

Allerdings bleibt es bei einem Prototyp. Matra macht von der Option, der Welt den ersten Sportwagen mit U8 Motor zu präsentieren, keinen Gebrauch. Es kann sein, dass die Vernunft siegt, vielleicht hat man bei Chrysler-Simca auch einfach genug vom Bagheera und seinen Negativ Schlagzeilen. Der Beschuss durch den ADAC zeigt Wirkung, das Image ist dahin und die Absatzzahlen brechen ein.

Es gründet sich eine Interessensgemeinschaft der Bagheera Geschädigten, die dem Hersteller Druck macht. In den nächsten Jahren bleibt bei der Motorisierung alles so, wie es ist. Der Bagheera wird weiter modellgepflegt, aber es gibt keine stärker motorisierten Varianten mehr. 1977 lanciert Matra die Serie 2, die bis 1980 im Angebot bleibt.

Dann ist der Bagheera Geschichte, die bezahlbaren Sportwagen Träume leben aber auf dem Gebrauchtwagenplatz weiter.


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