Würde es nur um das Aussehen gehen, würde das Lancia Beta Coupé sicher Preise gewinnen. Aber Schönheit allein genügt nicht, und bei Lancia lagen die Dinge so, dass alles nicht so einfach war. Der Hersteller edler italienischer Automobile war 1969 von Fiat übernommen worden, was ihm wohl das Überleben sicherte. Mit der Beta Limousine folgte die erste Neuentwicklung unter der Fiat Flagge und 1973 auf dieser Basis das Beta Coupé.
Natürlich gab es argwöhnische Beobachter, die meinten, hier rolle kein echter Lancia mehr auf die Straße. Die Motoren wurden von Fiat übernommen, Lancia verfeinerte sie, aber der Griff ins Konzernregal und das Fehlen von technischer Avantgarde, die Lancia fast umgebracht hätte, schmerzten die Fans. Allerdings steckte im Lancia Beta Coupé mehr ursprüngliche Marken-DNA, als man es unter diesen Umständen vermuten würde.
Und das hat einen gewissen Grund.

Edel und selten: das Lancia Beta Coupé (Serie 1)
Das Beta Coupé ersetzte perspektivisch das legendäre Fulvia Coupé (Link), welches als ein Sportwagen von klassischer Schönheit galt. Beide Modelle wurden für eine gewisse Zeit parallel produziert, wobei das Motorenangebot der Fulvia schrittweise reduziert wurde, um dem Beta keine Konkurrenz zu machen. Mit seiner edlen Ästhetik war das Design des größeren Beta ein würdiger Fulvia Nachfolger, und das nicht zufällig.
Fulvia Designer Pietro Castagnero hatte Lancia nach der Fiat Übernahme umgehend verlassen. Die Beta Limousine wurde dann auch im Fiat Centro Stile unter der Leitung des Gestalters Gianpaolo Boano entworfen, was Skeptiker in ihrer Vermutung bestätigte, dass es sich hier nur um einen überteuerten Fiat handeln würde.
Der Designer der Lancia Fulvia gestaltet das Beta Coupé
Für das Beta Coupé, welches auf dem verkürzten Radstand der Limousine basiert, übernahm wieder Pietro Castagnero. Als freier Mitarbeiter gestaltete er den würdigen Nachfolger seines Meisterwerks, modernisiert, erwachsener, aber mit der typischen Handschrift, die man bei Lancia erwarten konnte.
Der ikonische Wabengrill und die Scheinwerfereinfassungen aus Aluminium trugen die Mode exklusiver Fahrzeuge. Leider verschwanden beide bei der ersten Modellpflege.

Wahlweise mit 108 oder 120 PS motorisiert, waren die Doppelscheinwerfer nicht nur Show, es steckte auch Leistung dahinter. Fiat platzierte den Lancia gegen den nationalen Rivalen Alfa Romeo. Das Beta Coupé war die Antwort auf die Alfetta GT (Link), freilich ohne deren technische Rafinesse zu erreichen.
Lancia war dabei preislich aggressiv unterwegs. Dank der Technik aus dem Konzernregal konnte man die Preise der Rivalen aus Mailand unterbieten. Ob man sich und der Marke damit einen Gefallen tat, steht rückblickend gesehen auf einem anderen Blatt. Doch damals ging es um Verdrängung, um möglichst viele Marktanteile, und Fiat war anders als heute ein schnell wachsender Konzern.
Die Geschichte der Serie 1 endet bereits nach nur 2 Jahren
Das Lancia Beta Coupé der Serie 1 blieb trotz allem eine exklusive Erscheinung. Es bezauberte mit seinem Design, es bot einen tollen Auftritt und leider eine Verarbeitung, die von seinen Fans den ein oder anderen Kompromiss erwartete. Aber der, welcher ein Coupé kauft und einen Lancia dazu, muss Freude an der Form und an der Exklusivität gehabt haben und war in allen anderen Dingen leidensfähig.
Die Produktion der Serie 1 endete bereits nach zwei Jahren und nur 27.571 Exemplaren. Mit der Überarbeitung 1975 gab es nicht nur neue Motoren, auch die Front wurde geändert und sah dann etwas beliebiger aus. So blieb die erste Version die exklusivste in der lang andauernden Geschichte des Beta Coupés, die erst im Jahr 1984 endete.
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Eines der elegantesten Coupés dieser Jahre!