Einer der weltweit erfolgreichsten Sportwagen stammt aus der MG-Schmiede in Abingdon. Der MGB betritt 1962 die große Bühne und bleibt bis 1980. Er wird zum Inbegriff des bezahlbaren, kernigen britischen Roadsters, überall auf der Welt. Es gibt Fans, die ihn heiß verehren, und einen Hersteller, der ihn nicht besonders respektvoll behandelt.
Während auf dem Kontinent Sportwagen-Ikonen gepflegt und weiterentwickelt werden, kennt British Leyland, stets chronisch knapp bei Kasse, nur den Rückwärtsgang. Was als Verbesserung proklamiert wird, macht es oft nur schlimmer, und ziemlich dramatisch wird es im Jahr 1974.
Mit der anstehenden Überarbeitung stiehlt man dem MGB Roadster seine vielleicht letzten Fans. Eigentlich. Er wird bis zur Produktionseinstellung 1980 trotzdem gekauft. Warum?

Der MGB Roadster Classic endet tragisch als Gummiboot
Um den verschärften Sicherheitsvorschriften in Nordamerika, dem größten Verbreitungsgebiet des MGB zu genügen, entschließen sich seine Produzenten, ihm neu gestaltete Stoßfänger zu verpassen. Diese viel zu grob geratenen Komponenten werden als energieverzehrende Kunststoff-Deformationselemente verkauft.
Sie sind aus ästhetischer Sicht eine Katastrophe und entstellen die Karosserie.
Als wäre das alleine nicht dramatisch genug, wird durch eine ebenfalls veränderte Achsaufhängung die Bodenfreiheit erhöht. Auch das geschieht, um den gesetzlichen Regelungen zu entsprechen. Der MGB stakst von da an auffallend hochbeinig durch die Welt, es ist ein Elend.
Weniger PS und ein entstelltes Aussehen, es ist tragisch!
Die Leistung für den deutschen Markt ist mit den Jahren außerdem von 95 auf 84 PS gesunken, auch hier wollen verschärfte Abgasvorschriften beachtet werden.
Die Fangemeinde erfindet den Namen Gummiboot, der die mit dem Modelljahrgang 74 und 75 geänderten Fahrzeuge für immer verfolgen wird. Nicht wenige Kunden nehmen das geänderte Aussehen nicht hin. Sie bauen in Eigenregie ihren MGB auf Chromstoßstangen zurück und verändern das Fahrwerk.
Der deutsche Importeur Brüggemann wirbt im Sommer 1975 für den MGB mit der Bezeichnung Roadster Classic. Die schwarz-weiße Werbung kaschiert die missratene Stoßstange recht gut.

Selbst ignorante Produktplaner können den MGB nicht töten
Warum Menschen auch in diesem Jahr zum British Leyland Händler eilen und einen Neuwagen bestellen, erklärt sich von alleine, wenn man ihn fährt.
Denn selbst die ignoranten Produktplaner in England können den MG nicht komplett töten. Die Schaltung des manuellen 4-Gang-Getriebes mit Overdrive ist immer noch knackig-phänomenal und kaum ein anderer Roadster hat ein so genial einfach zu öffnendes Verdeck.
Die von Michelotti erdachte Mechanik ist mit nur einer Hand leicht zu bedienen, insofern man zuvor die Verschlüsse am Rahmen der Frontscheibe gelöst hat. Man wirft das Verdeck locker, leger nach hinten und holt es mit einer Hand in Sekunden zurück, sobald es zu regnen beginnt.
Damit schlägt der MGB heute noch jedes elektrische Hightech-Konstrukt zuverlässig. Alles, was in der Gegenwart aus China kommt und den Namen MG trägt, ebenfalls.
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