Alfa Romeo organisiert vergleichende Werbung für den Alfasud

Vergleichende Werbung ist bis zum 14. Juli 2000 in Deutschland verboten, erst dann greift eine EU-Richtlinie, welche sie möglich macht. Für den Alfasud gilt das natürlich auch, aber die Italiener sind kreativ und organisieren eine vergleichende Werbung auf eine überraschende Art.

Eine Rückblende in das Jahr 1975. Der Alfasud ist nun seit 3 Jahren auf dem Markt und er ist mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet. Denn er ist wegweisend und bringt die Eigenschaften zum Kunden, welche den VW Golf erfolgreich machen werden. Der Wolfsburger startet zwei Jahre nach dem Alfa und eigentlich sollte der Italiener nicht nur vorn liegen, sondern auch das bessere Auto sein.

Alfasud - vergleichende Werbung gestattet
Alfasud – vergleichende Werbung gestattet

Alfa Romeo organisiert vergleichende Werbung für den Alfasud

Eigentlich, denn der kompakte Beitrag der Mailänder Traditionsmarke hat Scheibenbremsen an allen vier Rädern und er bietet ohne Aufpreis vier Türen. Die Ausstattung ist bereits in der Grundversion ziemlich komplett, sogar das Lenkrad ist verstellbar und der Innenraum ist wohnlicher eingerichtet als beim kargen Golf (Link). Natürlich ist der Boxermotor von Natur aus viel laufruhiger als der Reihenvierzylinder aus Niedersachsen, inbegriffen des besseren Klangs des Motors.

Vermutlich ist der Alfasud sogar das schönere Auto, doch Schönheit alleine genügt nicht. Das Problem des Alfas ist nicht eines, es sind eine Menge Dinge, die völlig aus dem Ruder laufen.

Auf politischen Druck hin entschließt sich der Staatskonzern Alfa Romeo bei Neapel ein neues Werk zu bauen. Auf einem ehemaligen Flugplatz entsteht Alfasud Pomigliano und das Auto trägt den Namen der Fabrik. Um die hohe Erwerbslosigkeit der Region zu senken, werden ungelernte Kräfte eingestellt.

Maurer, Hirten und Bauern sollen zukünftige Autos bauen.

Die Motivation der Beschäftigten ist nicht sonderlich hoch, das aus dem Norden abkommandierte Management empfindet den Süden als Strafversetzung. Eine toxische Mischung bahnt sich an. Denn es ist die Zeit der wilden Streiks, welche die Werke aller Hersteller erfassen, und auch Pomigliano ist der Schauplatz von Arbeitskämpfen.

Gut gemachte Werbung, auf verlorenem Posten
Gut gemachte Werbung, auf verlorenem Posten

Der Alfasud steht auf verlorenem Posten

Die Auswirkungen sind verheerend. Alfa Romeo muss den Marktstart der Coupé-Version des Sud verschieben, die Fahrzeuge, die aus dem Werk rollen, sind miserabel zusammengebaut. Die Technik erweist sich als unzuverlässig, was auf Montagefehler zurückführbar ist. Der Innenraum ist so, dass sich Teile ablösen, und die Tatsache, dass Alfa Romeo auf jeden Rostschutz verzichtet, wirkt sich verheerend auf die Haltbarkeit aus.

Durch die Streiks bedingt stehen die Rohkarossen oft wochenlang ungeschützt im Freien. Die Arbeiter, denen alles egal scheint, lackieren sie später so, wie sie sind. Und das Management? Es lässt sie gewähren. Im Resultat rollen Neuwagen mit integriertem Rost zum Kunden.

Unter diesen Voraussetzungen nutzt es kaum etwas, dass die deutsche Niederlassung des Herstellers 1975 mit vergleichender Werbung wirbt. Interessenten, die einen Alfasud kaufen möchten, können über Alfa Romeo selbst zusätzliche Prospekte eines zweiten Fabrikats anfordern.

Das ist gut gedacht und bringt Sympathiepunkte. Nur leider ist es ein Kampf gegen Windmühlen, da die Produktqualität nicht stimmt.


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