Vom Zweitakter zum Viertaktmotor, Audi Super 90

So wie Saab in Schweden leitet auch die Auto-Union in den frühen 1960er Jahren ihren Abschied vom Zweitaktmotor ein. 1965 endet die DKW-Ära, der Markenname Audi wird aus der Geschichtsbox hervorgeholt. Aus dem DKW F102 entsteht der Audi F103, eine Evolution, wie sie damals nicht ungewöhnlich ist.

Um den Viertaktmotor im F103 unterzubringen, muss der Vorderwagen um 100 mm verlängert werden. Der Audi, dessen Spitzenmodell der Super 90 sein wird, erhält einen neu gestalteten Kühlergrill und veränderte Scheinwerfer. Die Operation mit neuem Gesicht ist allerdings nicht komplett überzeugend.

Denn zusätzlich zum Design, welches stark an den DKW erinnert, schleppt der Super 90 auch DNA aus der Vergangenheit mit sich herum.

Das neue Gesicht, der Audi Super 90
Das neue Gesicht, der Audi Super 90

Vom Zweitakter zum Viertaktmotor, Audi Super 90

Generell ist die Ausstattung ärmlich, der erste Audi fährt mit einem lackierten Blecharmaturenbrett durch die Lande und wer etwas Wohnlichkeit möchte, der muss zum Super 90 greifen. Hier gönnt Audi dem Kunden eine Folie in Holzoptik, welche das blanke Blech kaschiert, und liefert außerdem angenehme Polster und Sitze.

Sogar eine Art von minimalem Luxus ist erkennbar, wie damalige Testberichte offenbaren. Audi schmückt den 90 mit einigen zusätzlichen Chromelementen. Im Kofferraum befindet sich eine Box für Kleinkram, was nah am Leben und der täglichen Praxis ist.

Generell aber ist auch der Audi 90 Super nur Durchschnitt. Er liefert innen liegende Scheibenbremsen vorn, aber lediglich Trommelbremsen hinten und ist damit weit weg von der Finesse, die ein Alfa Romeo (Link) in diesen Tagen anbietet.

Werbung für den Audi Super 90 (1967)
Werbung für den Audi Super 90 (1967)

Als eine von nur zwei deutschen Limousinen mit Frontantrieb in der Mittelklasse genießt er eine Art von Ausnahmestellung, die ihm jedoch nicht zum Vorteil wird. Neben dem großen für Frontantriebsfahrzeuge typischen Wendekreis bemängeln die Autotester auch die schwergängige Lenkung. Sie ist ein Erbe aus dem DKW F102, und die Schwerfälligkeit wird durch den gewichtigeren Viertaktantrieb weiter verstärkt.

Auch als Super 90 tut sich der Audi schwer am Markt. Der Markenname ist ein Überbleibsel aus einer Zeit, die man gerne vergessen würde. Das Design sieht nach Zweitaktmotor aus und niemand hat tatsächlich auf dieses Fahrzeug gewartet.

Die Werbung aus dem Jahr 1967, die wir hier zeigen, überzeichnet maßlos. Der Super 90 ist weder ein Konkurrenzschreck noch ein Kurvenkratzer oder ein Erfolgsmanager.

Allerdings ist er wirklich wenig Seitenwind-empfindlich, dank Frontantrieb. Er verfügt auch über eine zu dem Zeitpunkt fortschrittliche Zweikreis-Bremsanlage, und die Ausstattung ist absolut großzügig. Dass er für Audi der Startpunkt auf dem Weg nach oben ist, kann man nicht ahnen, denn der Anfang ist ziemlich schwer.


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