Luxusauto oder nur Durchschnitt, der Simca 1301 Special

Nirgendwo wird die Wahrheit so geschickt verbogen wie in der Werbung. Die Deutsche Simca ist als kreativ bekannt, wenn es um Werbeaussagen geht. Der Simca 1301 Special stellt den Beitrag der Franzosen zur Mittelklasse – er ist beliebt und er verkauft sich überzeugend.

Ist er ein Luxusauto, fragt sich der Kunde im Jahr 1971. Denn Simca gibt an, der Special stellt die Preisvorstellung von Luxus auf den Kopf. Doch von diesem Segment ist Simca weit entfernt. Zwar stieg die PS-Leistung für den 1301 kürzlich von 54 auf 70 PS, was zu der bangen Frage führte, ob das nicht zu viel Leistung aus nur 1,5 Litern Hubraum wäre.

Simca 1301 Special
Simca 1301 Special

Luxusauto oder nur Durchschnitt, der Simca 1301 Special

Außerdem liefert Simca vier Türen ohne Aufpreis und einen hübschen Innenraum mit Holzdekorfolie auf dem Armaturenbrett und eine schöne Instrumentensammlung. Speziell ist der 1301 Special trotzdem nicht. Denn ein günstigeres Basismodell, wie man es vermuten könnte, bietet der Hersteller in Deutschland erst gar nicht an.

Ein Autotest (Link) im Jahr 1970 stellt die Fakten klar. Der Simca ist nett gemacht, aber er hat im Detail einige Schwächen. Die beginnen im Innenraum, mit dem Handbremshebel, der ungünstig auf die Kniescheibe des Fahrers zielt. Eine Vollbremsung könnte zur schmerzhaften Kontaktaufnahme genügen. Ein Unfall wäre für die Kniescheibe verheerend.

Die Pedale stehen ungünstig eng, eine Fehlbedienung ist möglich, bei weiteren Tests zeigt der 1301 Special andere Schwächen. Die damals obligatorische Wasserdurchfahrt schafft der Simca nicht, der Motor stirbt ab. Das ist nicht selten in diesen Jahren, aber doch peinlich.

Vorsicht bei tiefen Pfützen und bei Starkregen – lautet der Rat. Das Wort vom Wasserschlag, der Motor saugt Wasser an, was zum Exitus führt und von Elektronikschäden macht die Runde.

Der Simca 1301 Special, Werbung 1971
Der Simca 1301 Special, Werbung 1971

Sonst aber ist der Simca unauffälliger Durchschnitt. Das Fahrwerk mit Schraubfedern, Querlenkern und Stabilisatoren ist zwar modern, es kommt auf schlechten Straßen jedoch schnell an seine Grenzen. Die Bremsen, mit Scheiben vorn und Trommeln hinten, liefern ebenfalls nur durchschnittliche Werte. Im Seitenwindtest zeigt sich eine hohe Empfindlichkeit und spätestens jetzt ist klar, der Simca ist keinesfalls Luxus oder besonders, er reiht sich in die Reihe der Durchschnittlichen ein.

Vielleicht liegt hier der Grund für seine Beliebtheit, sinniert der Tester 1970. Hier steht ein Auto ohne besondere Eigenschaften zu einem günstigen Preis, mit einem gefälligen Design. Genau das gefällt vielen Käufern. Vielleicht ist es auch die humorvolle Werbung, mit der Simca immer wieder punkten kann.

Zumindest in der Anzeige, welche die Deutsche Simca erstmals mit Chrysler Logo in den deutschen Zeitschriften präsentiert, steht die Preisvorstellung für Luxusautos Kopf.

Um auf die geforderten 7.598 DM zu kommen, muss der Simca gedreht und auf den Kopf gestellt werden. Jetzt stimmt sie, die Werbeaussage des Herstellers.


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