Als der deutsche Traditionshersteller Opel 1984 die neueste Generation der Kadett-Baureihe lancierte, ging ein Raunen durch die Autowelt. Der Opel für die Kompaktklasse war komplett anders als alles, was man zuvor von den Rüsselsheimern gesehen hatte.
Der von Gert Volker Hildebrand (Link) gestaltete E Kadett machte mit seiner aerodynamischen Form von sich reden und begeisterte die Autotester. Sein CW-Wert von 0,32 war damals aufsehenerregend und was den Journalisten gefiel, traf bei vielen Kunden nicht auf die allergrößte Liebe. Die waren überwiegend konservativ eingestellt und den kantigen D Kadett gewohnt.
Die Skepsis muss groß gewesen sein. Denn in zweiseitigen Anzeigen versuchte Opel die Vorteile des Designs zu erklären.

Der Opel Kadett ist bestens in aerodynamischer Form
Für Opel waren die Zeiten damals bewegt. Mitte der 80er Jahre kämpfte die GM-Tochter mit roten Zahlen und hohen Kosten. Beachtliche Investitionen für schadstoffarme Motoren mussten geschultert werden. Der Produktionsanlauf des Opel Omega stand ins Haus und immerhin konnte man in Deutschland den Marktanteil auf 15 % stabilisieren.
Dennoch – man kämpfte sprichwörtlich um jeden Kunden und die innovative Karosserie des Kadett war in dieser Hinsicht mehr Last, als dass sie von Vorteil gewesen wäre.
Das neu entwickelte 1.6i-Aggregat im Kadett leistete wahlweise 75 oder 82 PS. Wobei letzteres damals für die sportliche GT-Version als ausreichend betrachtet wurde. Bei der Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 verstrichen zwar 12,5 Sekunden, mit 175 Km/h in der Spitze war man aber schon recht flott unterwegs.

Die relativ hohe Endgeschwindigkeit war natürlich dem guten CW-Wert geschuldet, der sich laut Opel schon ab Tempo 60 positiv bei der Tankrechnung bemerkbar machte. Der Kadett gehörte damit zu den sparsamsten Vertretern in seiner Klasse, mit diesem Vorteil warben die Hessen im Jahr 1987 mit doppelseitigen Anzeigen.
Wodurch man merkt, wie tief und andauernd das Misstrauen der Kunden gegenüber der fortschrittlichen Karosserieform gewesen sein muss.

Wirtschaftlichkeit und Umweltbewusstsein schreibt sich Opel auf die Fahnen, und der E Kadett war dann tatsächlich der letzte seiner Art.
Denn mit dem Modellwechsel 1991 löst der Opel Astra den Kadett ab. War das ein bewusster Neuanfang, weil es mit dem Kadett für nicht wenige Kunden zu viel Aerodynamik und Innovation aus Rüsselsheim waren?
Technische Daten Opel Kadett GT (1987):
Reihenvierzylinder, 1598 cm³, 82 PS, 130 Nm bei 2.600 Umdrehungen/min
Vergaser
Querlenker und Federbeine vorn, Längslenker und Schraubfedern hinten
Leergewicht 885 Kilogramm
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
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