Rückblickend erkennt man erst, was man verloren hat. Die alte Volksweisheit schmerzt besonders, wenn man an Citroën denkt. Welche war die coolste Innovation, die mit der Marke in Verbindung steht? Waren es die legendären Lupen-Instrumente oder die Bediensatelliten? Vielleicht war es das außergewöhnliche Design?
Oder war es doch die unvergleichbare Hydropneumatik?
Streng betrachtet transportierte Citroën damit Oberklasse Allüren in das bürgerliche Milieu hinein. Vielleicht sogar Luxus-Klassen-Momente. Denn die Hydropneumatik gab es zeitweise auch anderswo. Bei Rolls-Royce zum Beispiel, womit wir komplett abgehoben haben.

Hydropneumatik und mehr, als Sie erwarten, im Citroën Xantia
Aber in den 1990er Jahren fand man sie auch im Citroën Xantia. Der Xantia war für Citroën Verhältnisse geradezu brav geraten. Speziell mit dem Hintergrund, wenn man von einem BX auf den Xantia wechselte oder vielleicht sogar noch den GS in der Erinnerung (Link) hatte.
Im Fall des GS waren die irren Lupenistrumente, die stets etwas von Science Fiction vermittelten. Und was den BX betraf, so zelebrierte er den futuristischen Leichtbau auf so nachdrückliche Weise, dass die unerschütterliche Solidität des Xantia auf Umsteiger wie ein Kulturschock wirkte.
Der Xantia verbreitete mit dem ersten Eindruck so etwas wie Audi-Gefühle, war das noch ein Citroën? Für die Nachdenklichen unter den Kunden war es etwas zu viel Peugeot, so sagte mein Citroën Händler damals, was man unterschwellig spürte. Doch die Hydropneumatik machte alles wieder wett.

Spätestens nach den ersten Metern stellte sich das gewohnte Citroën-Gefühl wieder ein, die Hydropneumatik bügelte alles glatt, was Deutschlands Straßen an Schäden vorweisen konnten. Im Xantia lieferte die Marke die beste Hydropneumatik-Lösung bisher, die Hydractive II Federung erweiterte das Konzept um einen zusätzlichen Stickstoff-Speicher pro Achse, was zur Folge hatte, dass die Kurvenneigung zurückging und Kurvenfahrten weniger spektakulär wirkten.
Erstmals hatten Citroën Fahrer die Möglichkeit, die Federungshärte in zwei Stufen nach eigenem Ermessen zu variieren, und eine Anti-Absink-Automatik verhinderte ab 1993, dass der Xantia in längeren Ruhephasen komplett zu Boden ging. Es gab bedauernde Stimmen, welche das spektakuläre Hochfahren aus der Ruhestellung vermissten, dieses bewusste Zelebrieren der Avantgarde, und manch einer stellte damals fest, dass Citroën auf dem Weg zur normalen Automarke war.
Was sich keiner jedoch vorstellen konnte, das war die komplette Abkehr von der Hydropneumatik. Citroën ohne dieses System – niemals! 1997 warb die Marke für den Xantia daher mit nur einem Wort. Hydropneumatik – reduzierter und doch alles auf den Punkt bringend ist Werbung kaum möglich.
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