Rückblickend fragt man sich manchmal, wie es passieren konnte, dass Hersteller ihre Kernklientel dermaßen enttäuschen. In der Mitte der 1990er Jahre ist Mitsubishi eine feste Größe unter den japanischen Anbietern auf dem deutschen Markt. Zu der Beliebtheit der Marke trägt der Pajero wesentlich bei.
Er ist im Straßenbild nicht wegzudenken und parkt in den Innenstädten ebenso häufig, wie er Pferdeanhänger über die Koppel zieht. Wer Wald, Land oder Großtiere besitzt, unterschreibt den Kaufvertrag beim Mitsubishi Händler. Und wer Abenteuerluft schnuppern möchte, tut es auch und steht Freitagsabend am Inntaldreieck mit einem echten Offroader im Stau. Um ihn herum nur Pkw, auf die der Pajero Fahrer lässig herunterblickt und währenddessen von der Paris Dakar Rallye träumt.

Der König der Straße und der Wälder, der Mitsubishi Pajero
Der Mitsubishi Pajero ist in diesen Jahren ein Phänomen. Er ist vielleicht der Vorbote der SUV-Welle, die sich später aufbaut, so wie es der Suzuki Vitara (Link). Der Unterschied liegt jedoch darin, dass der Mitsubishi kein weichgespültes – ich sehe nur so aus wie ein Geländewagen – Ding ist.
Er ist es wirklich.
Je nachdem wie viel Geld man bei Händler hinlegen möchte, bekommt man den Pajero mit zuschaltbarem oder permanentem Allradantrieb und ab Mitte der 90er Jahre gegen sattes Mehrgeld sogar mit ABS. Die Japaner liefern einen kurzen und langen Radstand, dazu zwei Turbodiesel Triebwerke und einen durstigen und wenig beliebten Benziner-V6, der mit einer Automatik kombiniert werden kann.

Technik und Verarbeitung gelten als makellos, der Pajero kann Arbeitstier sein, taugt aber auch für den Großstadtdschungel und den gepflegten Auftritt. Wer vermutet, der König der Straße und der Wälder sei ein günstiges Angebot gewesen, der irrt. Der Pajero TD 2800 GLS mit dem 2,8 Liter 125 PS Diesel-Aggregat kostet 1996 56.000 DM. Ein 10 PS schwächerer Nissan Patrol ist für rund 10.000 DM weniger zu bekommen.
Allerdings ist der Nissan im Vergleich ein ungehobeltes Raubein, während der Mitsubishi ein Alleskönner ist.
Vermutlich ist exakt hier der gewisse Punkt, warum der Pajero so sehr beliebt ist. Er zielt mit seinem Alleskönner-Gen weit höher, als man es vermuten möchte. Ein Range Rover oder ein Mercedes G kann alles, was der Pajero kann, natürlich noch etwas besser. Sowohl was die Geländefähigkeiten betrifft, als auch was Eleganz und gehobenes Lebensgefühl angeht.
Nur ist es so, dass der kurze Mercedes G 350 Turbodiesel mit 97.348 DM in etwa so viel kostet, wie es zwei kurze Pajero tun. Spätestens jetzt versteht man die Kaufentscheidung vieler Kunden.
Mitsubishi nutzt die Begeisterung der Kunden für den Pajero nicht, um sie im sich weiterentwickelnden Markt für das Surfen auf der SUV-Welle zu verwenden. Mit der ab 2000 folgenden 3. Generation wäscht man den Pajero weich, setzt sich zwischen alle Stühle, agiert ungeschickt und findet keine überzeugende Antwort auf die Fragen des Zeitgeistes.
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