Beim Simca 1000 war ein Spruch einen Tausender wert

Ernsthaft, das erste Auto, in dem ich mich fortbewegt haben soll, war entweder ein Fiat oder ein Simca 1000. Die Quellenlage ist leider diffus, über die kurze Fahrt von der Geburtsstation des örtlichen Krankenhauses nach Hause kann ich selbst nichts berichten. Ein Onkel war damals für den Transport verantwortlich und der fuhr – ja – entweder einen kleinen Fiat oder jenen Simca 1000.

Dass er tatsächlich jemals eine Simca 1000 Limousine besaß, ist verbürgt. Sie galt, bis sich das gnädige Vergessen über sie ausgebreitet hatte, familienintern als eines der schlechtesten Autos überhaupt. Trifft das zu, dann war es wirklich nicht besonders um die Qualität bestellt.

Denn die darauffolgenden Chrysler und Talbot waren auch nicht gerade Musterschüler.

Klein, gelb und mit Heckmotor - Simca 1000
Klein, gelb und mit Heckmotor – Simca 100

Bei Simca war ein Spruch einen Tausender wert

Was man über den Simca 1000 wissen sollte, ist, dass er ein richtiges Auto war. Also damals, 1961, als er auf den Markt kam. Ein Auto für Männer – und tatsächlich für Sportfahrer. Die Begründung ist nur dann schlüssig, wenn man sich in diese Jahre zurückversetzt. Gefühlt fuhr die halbe Bundesrepublik in einem VW-Käfer. Motor hinten, Antrieb hinten. Nur so ging Auto nach teutonischen Maßstäben damals.

Dass der Käfer laut, behäbig und versoffen war, änderte nichts an der Gültigkeit der Heckmotorkonzeption. Porsche hält daran bis heute fest und damals hatten Heckantrieb und Motor hinten Breitenwirkung. Mal traf man sie häufig an. Luftgekühlt, wie beim NSU Prinz, mal auf Wasserkühlung setzend wie beim Renault Dauphine (Link).

Oder eben beim Simca 1000.

Der bot auf nur 3,80 Metern Länge immerhin vier Türen und war eine ernst zu nehmende Limousine. Im Heck werkelte ein wassergekühlter 4-Zylinder-Motor mit knapp einem Liter Hubraum und 32 PS. Das galt als ziemlich sportlich, und der 1000 galt als der Porsche des kleinen Mannes. Das lag nicht nur am sportiven Klangbild des Heckmotors und der Agilität, sondern auch daran, dass der Hersteller immer wieder Rallye Modelle auf den Markt brachte und sich mit Motorsport-Engagements ein entsprechendes Image aufbaute.

Die Konzeption des Simca 1000 basierte auf einer Fiat-Entwicklung, einem neuen 600, den die Italiener dann als zu aufwendig verworfen hatten und ihn daher Simca überließen. Die klar gezeichnete, zeitlos scheinende Karosserie stammt aus der Feder des italienischen Formengestalters Mario Revelli di Beaumont. Rund 1.650.000 Simca 1000 und Derivate wurden gebaut, ein Erfolg.

Bunte Simca Werbung
Bunte Simca Werbung

1000 DM für einen Simca Spruch

Den Simca, mit dem ich mutmaßlich meine erste motorisierte Reise vom städtischen Krankenhaus kommend unternommen haben soll, hat nach der Überlieferung Jahre später der Rost hinweggerafft. Angeblich – auch da bleibt die Quellenlage diffus – denn alles ist schon sehr lange her.

Dass Simca offensichtlich nicht nur ein sportliches, sondern auch lässiges Image pflegte, zeigt eine Werbeanzeige aus dem Jahr 1974. Einen Tausender, also 1000 DM, bekamen diejenigen, welche den besten Simca 1000 Spruch ablieferten. Das zeugt von einer humorigen Grundlast, und die zehn besten Sprüche würden prämiert und als Aufkleber gedruckt werden.

Was aus der Marketing-Aktion wurde, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Den Onkel gibt es noch, er ist mittlerweile hochbetagt. Simca hat die Zeitläufe nicht überlebt und die Marke ist aus der öffentlichen Erinnerung verschwunden. Engagierte Clubs (Link) halten tapfer das Erbe wach und die Autos auf der Straße, aber auch sie scheinen, zumindest diesseits von Frankreich, angezählt zu sein.


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