Der Mini Special – das Kultmobil gab es einst als Spardose

Wer aktuell in die digitalen Preislisten eines brandneuen Mini schaut, der entdeckt ein Kultmobil zum Premium-Preis. Das war nicht immer so, der Ur-Mini war zwar klein, genial und Kult. Doch Premium war er nicht, dieses Modewort war zu jener Zeit nicht in die Welt gesetzt worden.

Klein, und nachlässig locker verarbeitet war auch der Preis klein, und der Mini war die günstigste Art, ein Auto für die Stadt zu fahren. Auch der Ruf war nicht der allerbeste, was manche Kunden nicht davon abhielt, immer wieder einen Mini zu kaufen.

Aus tiefster, innerer Überzeugung und aus einer Affinität zu englischen Autos.

Mini Special - eine Spardose auf Rädern
Mini Special – eine Spardose auf Rädern

Der Mini Special – das Kultmobil gab es einst als Spardose

Der Mini ist eines der Fahrzeuge, die für eine Ewigkeit gebaut wurden. 1959 rollte der kleine, geniale Engländer, der innen viel größer als außen war, zum ersten Mal auf den Straßen. Er sollte, mit zahlreichen Modifikationen, die man nicht immer als Verbesserungen beschreiben sollte, bis zum Jahr 2000 durchhalten.

In den Jahren dazwischen änderte sich die Herkunft. Sein Hersteller, der immer wieder in Schwierigkeiten kam, wechselte wiederholt den Namen. So kam es, dass verwirrend viele Unternehmen den Mini herstellten und es schwierig sein kann, den Überblick zu behalten. Mit der British Motor Corporation (BMC), die ihre Wurzeln bei Austin und Morris hatte, ging es los. Weiter führte der Namenswechsel über die British Leyland Motor Corporation und British Leyland Ltd. und BL PLC bis zur Austin Rover Group und Rover Group – wechselte das Kultauto die Familiennamen in lockerer Reihenfolge.

Im Jahr 1977 war der Hersteller seit 3 Jahren verstaatlicht und hörte nun auf den Namen British Leyland Ltd. In Deutschland hatte man sich von Importeur Brüggemann (Link) getrennt und eine eigene Niederlassung gegründet. Die Leyland GmbH in Düsseldorf kümmerte sich um die Geschäfte – aber die bekannten Probleme waren geblieben.

Die englischen Autowerker galten immer noch als die unmotiviertesten der Welt, die Qualität ließ zu wünschen übrig und die Modellpflege war ein Fremdwort.

Mini - die Spardose von Leyland
Mini – die Spardose von Leyland

Der Mini Special zeigt etwas vom Glanz des Empire

Also zog Leyland die Preiskarte – was wäre anders möglich gewesen? Den Mini Special gab es, unverhohlen als Spardose bezeichnet, mit angereicherter Ausstattung und Vinyldach ab 7.990 DM. Etwas vom Glanz des alten Empire war inklusive, denn das Armaturenbrett mit einer recht edlen Holzmaserung erinnerte an die große Zeit britischer Automobile.

England-Enthusiasten und Nostalgiker fanden das gut, alle anderen griffen zum Basismodell für 7.190 DM und genossen das Go-Kart ähnliche Fahrgefühl und die hervorragende Wendigkeit für kleineres Geld.

Die Billigschiene wurde der Hersteller bis zur Produktionseinstellung im Jahr 2000 und nach 5.387.863 Exemplaren nie los. Mitte der 1980er-Jahre probte man sogar den Vertrieb über Real Supermärkte mit angeschlossenem Auto Discount, immer wieder gab es Sondermodelle und Bestpreis Angebote.

Es ist erstaunlich, dass dieses Marketing dem Mini Kult nichts anhaben konnte. Er wurde weiter geliebt und gilt als die von Alec Issigonis erschaffene Ikone.

Dass BMW später daraus ein hochpreisiges Premium-Auto (Link) machen konnte, das niemand mehr als Spardose bezeichnen würde, liegt wohl auch an der Strahlkraft des Produkts, das selbst die zeitweise chaotisch agierende britische Autoindustrie nicht zerstören konnte.


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