Ist der Chrysler-Simca 1307 eine Kopie des Volkswagen Passat?

Die Geschichte des Chrysler-Simca 1307 beginnt in Frankreich und England. Die Simca Ingenieure wünschen eine moderne Limousine mit Frontantrieb. Doch die englischen Chrysler-Mitarbeiter plädieren für den konventionellen Hinterradantrieb. Zwei Welten treffen aufeinander, das neue Modell ist ein Gemeinschaftsprojekt.

Zum ersten Mal soll es Synergieeffekte zwischen Chrysler und Simca, den beiden Marken unter dem Dach der Chrysler-Gruppe, geben.

Und während die Franzosen in Richtung Fließheck planen, würden die Briten eine konventionelle Stufenheck-Limousine bevorzugen. Die Arbeiten beginnen 1972, zeitweise wird überlegt, sowohl eine Front- als auch eine Heckantriebsversion zu produzieren, doch am Ende bleibt es beim Frontantrieb und Fließheck.

Der Chrysler-Simca 1307, eine Kopie des VW Passat?
Der Chrysler-Simca 1307, eine Kopie des VW Passat?

Ist der Chrysler-Simca 1307 eine Kopie des Volkswagen Passat?

Unvermeidlich wird die Entwicklung zwischen dem Kontinent und dem Vereinigten Königreich aufgeteilt. Ausgerechnet die Briten, welche die Limousine wollten, verantworten das Design des Stufenhecks. Die Technik liefert Simca und bedient sich dabei großzügig beim 1100, was kein Nachteil ist. Die Entwicklungskosten bleiben niedrig, die Technik ist bewährt und kostengünstig.

1975 ist der Chrysler-Simca 1307 fertig, er geht zuerst über das Simca Vertriebsnetz in Frankreich in den Verkauf, ein halbes Jahr später folgt die Chrysler-Organisation in Großbritannien. Verwirrend ist jedoch die Namensgebung. In Frankreich kann man das Fließheck als Simca 1307 kaufen, im England wird daraus der Chrysler Alpine und in Deutschland ist es der Chrysler-Simca 1307.

Verrückter wird es ein paar Jahre später, als Chrysler seine europäischen Firmen an die PSA-Gruppe verkauft und daraus die Marke Talbot entsteht. Dann beginnt das Namenswechselspiel von Neuem.

Das Design zeigt Ähnlichkeiten mit dem VW Passat

Der Chrysler-Simca ist ein gefällig gezeichnetes Fließheck, mit einer großen Heckklappe, das äußerlich vorrangig durch die Gestaltung der Stoßfänger auffällt. Diese sind eine Innovation, sie sind erstmals komplett mit Kunststoff überzogen, den es entweder in Schwarz oder Hellgrau gibt. Letzteres sieht ab Werk wie ausgeglichen aus, Design und Material sorgen für einen gewissen Gesprächsbedarf, und manche Testberichte bemängeln das klobige Aussehen.

Sie sehen auch die Ähnlichkeit zum VW Passat, der mit konventionellen Stoßstangen seit 1973 im Handel ist. Die Seitenlinie mit drei Fenstern und betont schlanken Holmen sorgt für Ähnlichkeit, ist der Chrysler-Simca 1307 vielleicht eine Kopie des Volkswagens?

Werbung für den Chrysler-Simca 1307 (1977)
Werbung für den Chrysler-Simca 1307 (1977)

Bei genauem Hinschauen fällt auch die nach vorn geneigte Front beider Modelle auf, beim 1307 ausgeprägter, beim Passat schwächer. Es ist möglich, dass man in England Inspiration beim ersten großen Frontantriebsmodell der Wolfsburger holte, aber sollte es so sein, ist es nicht von Nachteil und betrifft nur das Design.

Der Chrysler-Simca 1307 wird zu einem Verkaufserfolg

Denn die Technik unterscheidet sich grundlegend. Der Typ 32 von VW basiert auf dem Audi 80 mit längs eingebauten Motor, der Chrysler-Simca entscheidet sich für das moderne Konzept mit quer installiertem Antrieb. Dass der 1307 gut am Markt ankommt, verdankt er nicht nur seinem modernen Design und dem hohen Nutzwert, mit Fließheck und umklappbarer Rücklehne.

Die Ausstattung ist Simca typisch äußerst großzügig, schon für 10.999 DM bekommt der Kunde ein opulent ausgestattetes Fahrzeug, das vieles in Serie hat, was die Mitbewerber extra in Rechnung stellen.

1976 wird der Chrysler-Simca dann zum europäischen Auto des Jahres gewählt, das Werk in Poissy produziert in 12 Monaten 218.216 Fahrzeuge. Ein Jahr später verlassen 258.195 Chrysler-Simca 1307 und 1308 die französische Fabrik und jetzt findet die Erfolgsgeschichte ein jähes Ende.

Die Amerikaner leiten die Trennung ein, die PSA-Gruppe mit Peugeot und Citroën übernimmt. Der bekannte Simca Name wird nun verbannt und der Talbot Schriftzug an die Werkstore geschraubt. Die Kunden quittieren die Operation mit einem Vertrauensverlust, die Nachfrage bricht ein.

Auserzählt ist die Geschichte dennoch nicht. Der 1307 fährt weiter, jetzt als Talbot, für etliche Jahre.


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André
André
1 Jahr zuvor

Ich erinnere mich noch an den Talbot, der eine nach hinten geneigte Front bekam und dadurch elegant aber auch weniger markant aussah.

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