Der Volvo 264 GLE ist das Statussymbol für die Nordmänner

Wenn Kinder in den 70er Jahren ein Auto zeichnen sollen, dann wird es eine Limousine. Das klassische 3-Box-Design, Motor, Fahrgastzelle, Kofferraum. Viel mehr Mühe gibt man sich in Göteborg auch nicht, als der 264 entsteht. Er ist eine klassische, sehr kantige Limousine, auf den ersten Blick als Volvo zu identifizieren.

Mit dem 264 GLE bewegt sich Volvo in Richtung Oberklasse, aber komplett überzeugend fällt der Versuch nicht aus. Denn der neue große Volvo ist zwar repräsentativ geraten, der mächtige Kühlergrill macht einiges her. Doch um in Richtung Mercedes aufzuschließen, reicht es nicht.

Da hilft auch der Sechszylinder unter der Haube wenig, die Gründe hierfür liegen im Detail.

Repräsentativ - der Volvo 264 GLE
Repräsentativ – der Volvo 264 GLE

Der Volvo 264 GLE ist das Statussymbol für die Nordmänner

Den V6-Motor holt sich die älteste Automarke Schwedens aus der Kooperation mit Peugeot und Renault. Der PRV Antrieb ist ein Karrieretyp, denn alle Hersteller, die sich keine eigene Sechszylinderentwicklung leisten können oder wollen, greifen zu. Lancia tut (Link) es, bei Renault muss er sogar als Sportwagenmotor herhalten (Link), und im Volvo 264 GLE soll er für Oberklasse-Gefühle sorgen.

Zum Modelljahr 1979 leistet der Antrieb im großen Schwedenauto 148 PS, die aus einem Hubraumvolumen von 2,7 Litern stammen. Damit läuft die Limousine aus dem Volvo-Werk auf Hisingen Tempo 180, dann endet die Bestrebung für mehr Vortrieb.

Gegensätzlich zu modernen Volvos wird der 264 GLE hier nicht aus Umwelt- und Sicherheitsgründen elektronisch eingebremst. Es geht einfach nicht schneller.

Die kantige Karosserie, die nach massivem Schwedenstahl aussieht, stemmt sich erfolgreich in den Wind und verhindert mehr Tempo. Interessant ist, dass der große Volvo nur rund 1,35 Tonnen auf die Waage fährt. Das ist überraschend wenig, das massive Auftreten sieht viel gewichtiger aus.

Zum Erfolg als Statussymbol fehlt dem Volvo 264 GLE noch einiges

Dass der Volvo 264 GLE trotz allem jenseits seiner Heimat kein Oberklasse-Erfolg wird, den Mercedes zu fürchten hat, ist einfach erklärt. Die fast 4,90 Meter Wagenlänge sind abzüglich der massiven Stoßfänger und abzüglich von Kofferraum und Motorhaube zu betrachten. Der kurze Radstand bestätigt beim Blick in den Innenraum die Ahnung: Das Platzangebot ist gut für die Mittelklasse, Oberklasse Verhältnisse sind es nicht.

Volvo-Werbung zum Modelljahr 1979
Volvo-Werbung zum Modelljahr 1979

Wie zu dieser Zeit in Göteborg üblich, verwendet das Statussymbol der Nordmänner außerdem sehr einfache, aber robuste Kunststoffe. Wer die kleineren und günstigeren Volvo-Modelle kennt, entdeckt hier die gleichen Materialien wieder. Die Finesse, die eine S-Klasse (W116) ausstrahlt, sucht man in diesem kunststofflastigen Fahrzeug vergebens. Dafür kann man den Volvo im Winter selbst mit dicken Handschuhen bedienen, sämtliche Schalter und Bedienelemente haben Ewigkeitswert und sind nicht kleinzubekommen.

Ein großer Volvo für Individualisten in der Oberklasse

Der Hersteller versucht, durch wertigen Feinvelours dem Hartplastik-Holzfäller-Look entgegenzuwirken, mit beschränktem Erfolg. Der Volvo 264 GLE bleibt in Deutschland das große Nordmann-Auto für die Nische, die Werbung trägt dem im Jahr 1978 Rechnung und richtet sich an die Individualisten, denen ein Mercedes zu gewöhnlich ist.

Immerhin macht der Volvo in seiner Langversion als 264 TE dann doch eine kleine Karriere als Repräsentationslimousine. 335 Stück werden produziert, zuerst bei Bertone in Italien, danach bei schwedischen Karosseriespezialisten Nilsson in Laholm (Link).

Das schwedische Königshaus und die Regierung greifen zu und fahren den verlängerten Volvo, aber auch bei Diktaturen und in den Staaten des Warschauer Pakts ist das Angebot willkommen. Der Staatsrat der DDR zeigt sich im Volvo 264 TE dem Volk, im Nachhinein ist es eine mehr fragwürdige Referenz.


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Gran W.
Gran W.
1 Jahr zuvor

Der Volvo ist echt massiv, schwedische Qualität bis hin zur letzten Schraube. Davon träumen die heutigen Autos.

Kölsche Jung
Kölsche Jung
1 Jahr zuvor

Der Volvo war das Statussymbol für alle die kein Statussymbol brauchen.

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