Volvo ist zwar in den 70er Jahren in Deutschland erfolgreich aufgestellt, aber der Importeur hat ein Problem. Das ist der Volvo 343 und die Begeisterung der Deutschen für die Kompaktklasse der Schweden hält sich in Grenzen. Ganz unbegründet ist die Skepsis allerdings nicht.
Der kleine Volvo trägt den Image-tötenden Stallgeruch von DAF, er wird in der früheren DAF-Fabrik in den Niederlanden produziert und er kommt anfangs ausschließlich mit der Variomatik von DAF auf den Markt. Die hat den Ruf, ein Antrieb für Rentner zu sein, zusätzlich kauft Volvo den 1,4-Liter-Motor bei Renault ein, und der wiederum ist zwar zuverlässig. Aber auch veraltet und kaum inspirierend.

Volvo 343 – Die Schweden wollen in der Kompaktklasse punkten
Die nächsten Fehler sind Qualitäts- und Verarbeitungsmängel, der 343 entspricht in keiner Weise dem, was Kunden von Volvo erwarten. Final ist die kleine Serie auch nur mit zwei Türen und einer Heckklappe bestellbar, vier Türen gibt es selbst gegen Aufpreis nicht.
Das ist die Lage 1976 und in Göteborg steuert man dagegen. Langsam. Aber zuverlässig. Es dauert zwei Jahre, bis 1978 der 343 endlich mit einem manuellen 4-Gang-Getriebe bestellt werden kann. Doch sofort schnellen die Verkaufszahlen in die Höhe. Nur ein Jahr später erhält der kompakte niederländisch-schwedische Wagen das Armaturenbrett und Bedienelemente aus dem großen 242. Auch die Sitze aus dem großen Volvo ziehen in den 343 ein, endlich erhalten die Kunden das lange schon vermisste Volvo-Gefühl.
Der nächste große Schritt folgt 12 Monate später. Mit dem 345 sind nun tatsächlich fünf Türen lieferbar, nach langem Anlauf hat die Marke einen vollwertigen Beitrag in der Kompaktklasse. Doch es bleibt vorerst beim lahmen Renault-Motor, mit nur 70 PS.
Hier entwickelt die deutsche Volvo-Niederlassung in Dietzenbach eine zündende Idee.

Der Tuner Oettinger verleiht dem Volvo 343 Flügel
Sie hat keine Lust, mit nur schwachen 70 PS immer auf der rechten Spur zu fahren. In Kooperation mit dem Tuner Oettinger, der einen großen Namen in der Volkswagen-Welt hat, entsteht der Volvo 343 GL Oettinger. Der Hubraum wird von 1400 cm³ auf 1600 cm³ erweitert, die Leistung steigt damit von 70 auf 90 PS.
Während die reguläre Variante des 343 GL mit 14.665 DM in der Preisliste steht, verlangt Volvo für den Oettinger 343 happige 18.500 DM. Der Wechsel auf die Überholspur wird ziemlich teuer. Das Sondermodell ist auf 125 Exemplare limitiert – und trotz des stolzen Preises umgehend ausverkauft. Wer keines bekam, muss dennoch nicht traurig sein. Nur ein Jahr später hat man in Göteborg die Sehnsüchte der Kundschaft endlich verstanden.
Der Volvo B19A Motor leistet 95 PS und ist jetzt ab Werk in der 300-Serie zu haben. Die Kunden freuen sich, aber der leistungsschwache Renault-Motor bleibt bis zum Produktionsende 1982 im Lieferprogramm.
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