Adaptive Lichtsysteme sind heute Standard. Sie leuchten zuverlässig in die Ferne, ohne den entgegenkommenden Verkehr zu beeinträchtigen. Sie haben gelernt, um Kurven zu leuchten, und sie haben Softwaremodi speziell für die Stadt, Autobahn oder Landstraße. Wie aktuell ist die Innovation?
Um die Kurve zu leuchten, haben Autos tatsächlich schon vor Jahrzehnten gelernt.
Kurvenlicht, oder Schwenkscheinwerfer, sind viel älter, als man denkt. Erstmals wurde es vor über 100 Jahren in Fahrzeuge von Cadillac eingebaut, in Europa übernahm Tatra in den 1930er Jahren die Einführung. Dann wurde es ruhig um die Innovation, und es schien, dass Fahrzeuge verlernt hätten, wie man um die Kurve leuchtet.
Bis zum Jahr 1968. Dann war es die göttliche DS von Citroën, die in Serie um die Kurve leuchten konnte. Sicherheit bei Nacht, schrieb Citroën. Mit dem Schwenkscheinwerfer. Und schaltete eine Werbeanzeige.

Schwenkscheinwerfer – als die Citroën DS um die Kurve leuchtete
1968 war die DS nicht mehr so jung. Aber der Hersteller lancierte geschickt neue Versionen und Verbesserungen, um die Göttin attraktiv zu halten. In diesem Jahr verabschiedete sich Citroën langsam von der DS 19, der Urversion der schwebenden Avantgarde. DS 20 und 21 und die Pallas Modelle waren würdige Nachfolgerinnen. Sie übernahmen und alle konnten um die Kurven leuchten.
Um dem deutschen Publikum Lust auf die Göttinnen zu machen, lancierte Citroën im Oktober 1968 eine ganzseitige Anzeige in der Auto Motor Sport. Der Zeitpunkt war mit Bedacht gewählt, denn mit dem Herbst und kommenden Winter zog die Dunkelheit auf den Landstraßen ein.
Sicherheit. Auch bei Nacht.
Auffällig ist, dass die historische Autowerbung dieser Jahre die Dinge immer auf den Punkt bringt. Kurz. Prägnant. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen. Der Frontscheinwerfer der DS, mit gelblichem Licht, übernimmt den Rest. Für alle jene, die es bisher nicht verstanden haben, leuchtet sich unter dem Scheinwerfer eine DS durch eine Kurve, die fast taghell erleuchtet wird.
Ein Passant, oder ist es eine Passantin, im hellen Trenchcoat ist am Ende des Lichtkegels zu erkennen. Ohne den Schwenkscheinwerfer hätte man die Person übersehen.
Spätestens jetzt erinnert man sich an den letzten Kinobesuch. Einer der beiden Filme, die Claude Chabrol 1968 ablieferte, wird die frankophile Klientel gesehen haben. Und eine DS, welche durch die Nacht streift, die Kurven souverän ausleuchtend, wird auch darin vorgekommen sein.

Jodscheinwerfer in der DS
Citroën preist die Jodscheinwerfer, die schwenkbar sind und bis zu 600 Meter weit strahlen. Dreimal so weit, wie der Bremsweg bei Tempo 160, inklusive Schrecksekunde. Behauptet die Werbung. Ja, die DS war im Laufe der Jahre schneller geworden. Am Anfang lagen die 160 km/h noch in weiter Ferne. Sie waren Wunschdenken, worunter Citroën litt. Doch die DS 21 kratzte schon an den 190 km/h, und das neue Einstiegsmodell, die ID 20, brachte maximal 167 km/h.
Da benötigt man gute, leistungsfähige Scheinwerfer.
Sind Sie auch über den Begriff der Jodscheinwerfer gestolpert? Eine kurze Erklärung: Rund um den Leuchtdraht, durch den die Elektronen ihren Weg suchen und ihn zum Leuchten bringen, befindet sich kein Sauerstoff, der den Leuchtdraht zum Oxidieren bringen könnte und die Langlebigkeit beeinträchtigt. Eine Umgebung, gefüllt mit Gas wie Jod oder Brom, verhindert das, und Citroën wählte den Begriff Jodscheinwerfer.
Die Werbung, die Citroën Deutschland – damals noch in Köln beheimatet – 1968 schaltet, ist heute kultverdächtig. Kurvenlicht war damals noch nicht adaptiv und elektronisch gesteuert und hieß auch nicht so. Sondern wurde Schwenkscheinwerfer genannt. Französische Scheinwerfer waren selbstverständlich gelb und Citroën schrieb sich durchgehend klein. Faszinierend.
Der Beitrag erschien erstmals im April 2023 auf dem SaabBlog Magazin (Link).
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