1961 zeigt Volkswagen der Welt den Typ 3, der als 1500/1600 Touren Limousine und Variant auf den Markt kommt. Für die Marke vom Mittellandkanal ist es ein Versuch, das Konzept des Käfers weiter fortzuführen. Der ist damals nicht mehr auf der Höhe der Zeit, er verkauft sich dennoch blendend, aber die Stimmen der Kritiker werden lauter.
Der Käfer hat seine Fans, er ist für die Deutschen ein Symbol und mit dem Typ 3 kommt der große Käfer. Mit allen Vor- und Nachteilen. Limousine und Variant haben einen Frontkofferraum, den man aktuell als Frunk bezeichnen würde, denn der Boxermotor sitzt da, wo er nach Volkswagen Meinung hingehört. Im Heck, und er ist weiterhin luftgekühlt.
Was in einiger Hinsicht zu Problemen führt.

VW 1600 Variant, sage niemals Lieferwagen zu mir!
Denn das Marketing sieht zwei Herausforderungen, die man ziemlich erfolgreich umschiffen wird. Es geht speziell um den VW Variant, welcher ein Wagnis ist, und den man nicht in einer gewissen Ecke des Marktes sehen will.
Es gibt zu der Zeit so etwas wie eine ausgeprägte Lieferwagen-Phobie. Ein typischer Lieferwagen ist der Opel Rekord A. Den fährt der Gemüsehändler um die Ecke, der Besitzer des Edeka-Ladens oder des Büdchens. Unter der Woche transportiert er auf der Ladefläche seine Waren, am Wochenende die Familie.
Image mäßig rangiert der Opel Rekord A Caravan ganz unten, wie auch der Ford Taunus Turnier, der ebenfalls gnadenlos praktisch ist. Dort möchte Volkswagen den VW 1600 Variant nicht sehen, und die Werbung macht aus ihm eine progressive Limousine.

Der VW 1600 Variant ist kein Lieferwagen
Allerdings ist es nicht das Image alleine, das bewegt. Denn die Käfer-Konzeption hat bauartbedingte Nachteile. Der Motor kauert im Heck, er macht sich flach, manchmal stirbt er auch den Hitzetod, was aber eine andere Geschichte wäre. Doch auch wenn sich der Boxer wegduckt, er nimmt Fläche ein, die man bei Ford und Opel als Laderaum zur Verfügung hat.
Würde man den Variant als ein reines Nutzfahrzeug bewerten, würde er sicher durchfallen. Nicht nur, weil wenig Raum und eine relativ hohe Ladekante dem ernsthaften Einsatz im Wege stehen würden. Auch, weil die Mitbewerber das Thema Lieferwagen überzeugend besetzt halten und Ford für den Taunus Turnier für jede Transportaufgabe zeitweise bis zu drei verschiedene Heckklappen anbietet.
Das ist dem Marketing bewusst, welches den Variant als Limousine bewirbt, in die man viel einpacken kann. Es ist unklar, ob die Kunden der Argumentation folgen oder ob sie den Variant kaufen, weil sie ihn schöner und praktischer als die Limousine finden. 43 % aller Käufer der Baureihe entscheiden sich für die Karosserieform, die weder Lieferwagen noch Kombi sein mag.
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