Der Honda Civic ist kompromisslos, er ist keine Alternative

Als die ersten Hondas auf deutschen Straßen sichtbar wurden, reagierten die Älteren darauf mit einiger Skepsis. Wir, die Kinder, waren neugierig interessiert, denn Fahrzeuge wie der Civic sahen etwas anders aus. Das Design war als barock oder US-affin zu bezeichnen, je nach Blickwinkel.

Gespannt hörten wir die Gespräche unserer Väter über japanische Autos, die günstig seien und auch verdammt gut mit der Ausstattung wären. Aber sicher würden diese Autos aus Fernost nicht lange halten. Da sei jeder Opel, Ford oder VW einem Honda Civic vorzuziehen. Die Front stand in Treue fest, und alle schworen, nie einen Japaner zu fahren.

Doch die Front begann rasch zu wackeln, und mancher verdrückte sich im Laufe der Zeit ins japanische Lager.

Honda Civic, der Ur-Civic
Honda Civic, der Ur-Civic

Der Honda Civic ist kompromisslos, er ist keine Alternative

Wenn auf dem Parkplatz bei der Arbeit dann ein Honda Civic statt des gewohnten VW-Käfers stand, wurde das im besten Fall mit Argwohn bedacht. Im schlimmeren mit leichtem Spott. Aber der Wind drehte sich, denn so ein Honda hatte was zu bieten. Von Anfang an waren die Civic Modelle auf Zuverlässigkeit getrimmt, nicht umsonst hatte Honda innerhalb von nur 4 Jahren 1 Million Civic weltweit verteilen können.

Auch wenn die Türen laut scheppernd ins Schloss fielen, die Fahrwerke amerikanisch weich waren, und der Civic aussah wie ein um drei Größen geschrumpfter Ami. Er war zuverlässig. Motoren von Honda hatten schon immer einen legendären Ruf, und die Auto-Unterhaltung der Erwachsenen schwenkte in das Thema Zuverlässigkeit und Unterhaltskosten.

Während für Besitzer deutscher Autos jede Inspektion eine Safari mit Überraschungseffekt war, nach dem Motto – was ist jetzt schon wieder defekt – blieb es beim Civic meist beim Ölwechsel und neuen Zündkerzen.

Honda Deutschland bewirbt den Civic (1978)
Honda Deutschland bewirbt den Civic (1978)

Der Honda Civic ist wirtschaftlich und zuverlässig

Da hatte die Honda-Werbung aus dem Jahr 1978 recht, der Civic ist keine Alternative, wozu auch immer. Er ist wirtschaftlich, fortschrittlich und ein Original. So baut man erfolgreich eine Marke auf fremden Märkten auf.

Für uns Kinder blieb das alles ohne großen Eindruck. Der Porsche auf dem Parkplatz war spannender, der neue BMW auch und der Honda Civic, der war undefiniert, etwas seltsam und stand in der Parkraumbewirtschaftung zufällig herum. Dass dieser Ur-Civic die Wurzel für eine erfolgreiche und teilweise auch sportliche Fahrzeugreihe werden würde, ahnten wir nicht.

Eines hatte die Macher des kompakten Hondas, der innen mehr Raum bot, als man es vermuten konnte, jedoch vergessen. Die Rostvorsorge war in etwa so nachlässig wie bei anderen Autos dieser Epoche. So rostete der zuverlässige japanische Wagen in aller Stille vor sich hin, bis er entsorgt wurde. Vom Urvater dieser Baureihe haben nur sehr wenige Exemplare überlebt.


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