Ford Capri – ein Kölner Sportwagen als Linie der Vernunft

Es gab einmal eine Zeit, sie ist schon lange vorbei, da gab es am Rhein eine Automarke, die Sportwagen für das Volk herstellte. Es fand sich der Escort RS 2000 (Link) im Programm, der ein seriöser Beitrag für die Motorsportwelt war. Und es gab den Ford Capri, der nicht als übergewichtiges Elektro-SUV unterwegs war, sondern ein elegantes, ästhetisches Sportcoupé für das wahre Leben.

Ford Capri und Opel Manta erfüllten die Träume von Durchschnittsverdienern, die keine Veranlassung sahen, eine Limousine oder etwa einen Kombi zu fahren. Sie waren feste Größen, wenn es um den Auto-Wunschzettel ging, und es war eine Frage der Marken-Affinität, ob man lieber zum Kölner Ford oder Rüsselsheimer Opel griff.

Das elegantere Auto von den beiden? Vielleicht war es der Capri, der mit seiner unendlich langen Motorhaube das Schema vom Sportcoupé am besten erfüllte.

Der neue Ford Capri (Modelljahr 1974)
Der neue Ford Capri (Modelljahr 1974)

Ford Capri – ein Sportwagen als Linie der Vernunft

1973 lancierte Ford, als Modelljahr 74, den Capri II. Die nächste Generation war generell gesehen eine Evolution des Ur-Capri und des Capri 73, der als Zwischenmodell agierte. Ford leistete sich Feinschliff, die antiken V4 Motoren waren schon mit dem Modell 73 verschwunden, und für die Kunden gab es zum einen größere Fensterflächen. Sie verbesserten die viel kritisierte Übersichtlichkeit und machten den Innenraum heller und freundlicher.

Wichtiger war aber die neue Heckklappe, die aus dem Capri so etwas wie eine Kombicoupe machte und ihn vielseitiger werden ließ. Denn erstmals konnte man bei den besser ausgestatteten Modellen die Rücksitzbank umklappen, das Kölner Sportcoupé wurde so noch familienfreundlicher.

Dass Ford für das neue Modell mit der Linie der Vernunft warb, hatte aber nicht nur damit zu tun, dass der Capri variabel und bezahlbar war. Es war auch die erste Ölkrise, die sportlichen Fahrzeugen den Asphalt unter den Rädern wegzog und welche den Capri-Sechszylinder zum schwer verkäuflichen Problem werden ließ.

Zum Glück war Ford immer volksnah und hielt den Capri 1.3 mit 55 PS als Einstiegsmotorisierung bereit. Der Motor, den es auch im Ford Taunus gab, war ein braver Vierzylinder, dem jede sportliche Ambition abging. Aber sein Verbrauch von 8,4 Litern auf 10 Kilometer, real könnten es auch 10 Liter gewesen sein, machte aus der Linie der Vernunft ein Auto der Vernunft.

Ford Capri - Symbiose von Vernunft und Lebensgefühl
Ford Capri – Symbiose von Vernunft und Lebensgefühl

Der Ford Capri war Lebensgefühl

Dessen günstige Preise realisierte der Hersteller mit einfacher Technik. Zwar gab es als Sahnehäubchen den 3 Liter großen Sechszylinder mit 138 PS, aber die Hinterachse trampelte stets mit Blattfedern durch die Gegend, und das bis zum Ende der Baureihe im Jahr 1986. Mit einem Sportwagen hatte das wenig zu tun, es störte aber die Käufer nicht.

Bezahlbarkeit, Zuverlässigkeit und günstiger Unterhalt waren wichtig. Das alles erfüllte der Capri. Dass man sich in Bottrop oder Köln-Kalk mit der langen Motorhaube vor Augen wie der Fahrer eines Jaguars oder Aston Martin fühlen konnte, lieferte Ford ohne Aufpreis dazu.

Es war vermutlich die Symbiose von Vernunft und Lebensgefühl, die zählte. Die Faszination eines Sportcoupés. Die Emotion eines eleganten Zweitürers. Bezahlbare Träume und damit etwas, was Ford heute komplett aus den Augen verloren hat.


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Kölsche Jung
Kölsche Jung
1 Jahr zuvor

Mit dem neuen Capri tritt Ford die eigene Geschichte mit Füßen. Das hat der Capri ebenso wenig verdient wie die Kunden, die Verkaufszahlen sprechen eine klare Sprache.

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