Selten ist es in der Automobilindustrie so, dass Projekte mit einem weißen Blatt Papier beginnen. Und noch seltener kommt es vor, dass Mitbewerber Markennamen für ihren schärfsten Konkurrenten freigeben. Einfach so. Beim Ford Fiesta ist beides der Fall, und vor dem Kompaktwagen ist bei Ford eigentlich nichts in dieser Klasse verfügbar.
Die Konkurrenten vom Mittellandkanal haben den Polo, der eigentlich ein Audi 50 ist. Peugeot hat den erfolgreichen 104 und Renault hat den R5. Klar, da muss Ford dagegen halten und das geschieht auf eine besonders ambitionierte Weise. Der Fiesta wird ab 1972 entwickelt, mit dem Fokus auf drei europäische Produktionsstandorte und eine jährliche Stückzahl von unglaublich klingenden 500.000 Neuwagen.

Der Fiesta – ein Meilenstein für Ford und Mobilität für Generationen
Tatsächlich ist es manchmal gut, wenn man von null beginnen darf. Auf dem weißen Blatt Papier entsteht eine moderne Konstruktion, die von Anfang an die Kunden überzeugen kann. Es mag abgedroschen klingen, aber der Ford Fiesta bietet innen mehr Raum, als es die Außenmaße vermuten lassen. Die große Heckklappe schenkt eine große Menge an Flexibilität, und der Fiesta ist vom Start weg ein klassenloses Auto.
Junge Familien mögen ihn ebenso wie Senioren, für viele wird er der typische Zweitwagen, ein treuer Begleiter für alle Fälle, der in der Einfahrt neben dem BMW parkt. Heute scheint ein Ford Fiesta der Serie 1 billig gemacht, die Qualitäten sind teilweise erschreckend und das Geräuschniveau im Innenraum ist hoch. Aber damals ging das alles in Ordnung. Ein ähnlich konzipierter Audi 50 war nicht besser, vielleicht sogar schlechter, obwohl Ingolstadt schon damals vom Image einen Hauch vor Ford lag.

Aus dem Ford Fiesta, von dem es unglaubliche acht Generationen geben wird und dessen erfolgreiche Laufbahn der Hersteller erst 2023 völlig ohne Not kappt, wäre fast ein Ford Bravo geworden. Zumindest erzählt das die Geschichte, denn der Name Fiesta war bereits von GM in Beschlag genommen worden. Dort gab es während der 1950er Jahre einen gewissen Oldsmobile Fiesta. Eigentlich wäre es aus heutiger Perspektive fast unmöglich, dass GM seinem Hauptkonkurrenten einfach den Markennamen überlässt. Aber so geschah es und vielleicht waren es einfach andere Zeiten.
Der Ford ist modern, aber der Polo ist der schnellste im Land
Als Ford Deutschland 1976 den Fiesta der Presse zeigt, reagiert sie mit äußerstem Wohlwollen. Der Kleinwagen ist modern und eine Bereicherung, mit 40, 45 und 53 PS ist er vielleicht etwas zu brav motorisiert. Doch der Ford Fiesta zeigt umgehend Wirkung am Markt.
Volkswagen hat den von Audi entliehenen Polo im Angebot. Der ist gewohnt mager ausgestattet und teuer, und der spürt jetzt den scharfen Atem des Fords im Heck. Mit dem Polo GLS bringen die Wolfsburger etwas Wohnlichkeit in ihren Kleinwagen, der sich jetzt vor dem Kölner Mitbewerber nicht mehr verstecken muss. Und mit dem neuen 60-PS-Motor stellt VW klar, wer die schnellsten Autos hat.
Der Polo gilt mit 152 km/h in der Spitze als der schnellste in seiner Klasse, der Fiesta hat hier das Nachsehen, aber ganz so einfach ist es nicht. Denn die Kölner werden schon bald zusätzliche PS für ihren Kleinwagen freigeben.
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