Mit der Mittelklasse Baureihe W 123 setzte Mercedes neue Maßstäbe!

Kaum jemand, der in den 1970er Jahren aufwuchs, wird an diesem Mercedes vorbeigekommen sein. Die W 123-Baureihe war eine Art von Volks-Mercedes, mein Großvater besaß einige, mein Schwiegervater fuhr ebenfalls einen. Wer etwas auf sich hielt, und es sich leisten konnte, der griff zu. Der Mittelklasse Benz war so extrem erfolgreich, dass er im ersten Verkaufsjahr den VW Käfer vom ersten Platz der Zulassungsstatistik verdrängen konnte.

Das heilige Auto der Deutschen, abgelöst von einem Mercedes, das gab es nur einmal. Allerdings erlebte der Golf im Jahr 1980, damals war die W 123 nicht mehr so taufrisch, ein Déjà-vu. Auch er wurde vom Thron gestoßen, was allerdings eine recht knappe Angelegenheit war. Woran lag es, dass die Baureihe hervorragend ankam und Maßstäbe setzen konnte?

Mercedes W 123 Baureihe (1976)
Die Mercedes W 123 Baureihe (1976)

Mit der Mittelklasse Baureihe W 123 setzte Mercedes neue Maßstäbe!

Natürlich packte der Hersteller eine Menge neuer Sicherheitstechnik in sein Auto und lieferte gute Ideen. Aber das taten andere auch, jedoch gab es einige sehr gravierende Unterschiede. Das Image des Sterns leuchtete heller denn je und ein Mercedes war das Statussymbol. Im Vor-Leasing-Zeitalter hatte es derjenige, welcher sich einen Mercedes Neuwagen leisten konnte, in den Augen der Mitbürger geschafft.

Nicht selten wurde eisern dafür gespart, jeden Monat Geld zur Seite gelegt, um sich dann einen Traum zu erfüllen. Die Zeiten waren solider als heute und die W 123-Baureihe öffnete die Geldbeutel und Sparbücher der Deutschen. Die Lieferzeiten betrugen zeitweise mehrere Jahre. Wer keinen Aufpreis zahlen wollte oder über besondere Beziehungen verfügte, der musste besonders geduldig sein.

Neue Maßstäbe setzen, das trifft hier zu
Neue Maßstäbe setzen, das trifft hier zu

Die Bandbreite an Motoren deckt nahezu alle Wünsche ab

Die enorme Bandbreite der lieferbaren Motorisierungen deckte eine große Zahl unterschiedlichster Käufergruppen ab. Angestellte in gehobenen Positionen sparten auf einen 200er oder 230. Landwirte und Fleischer fuhren bevorzugt einen 200 D, und wenn die Geschäfte besonders gut liefen, einen 300 D. Das Klientel der Taxifahrer ist nicht zu vergessen, hier hatte der W 123 die absolute Mehrheit sicher.

Und nur wer besonders liquide war, konnte es sich leisten, zum 280 oder 280 E zu greifen, der mit dem sagenhaften Sechszylinder schon nahe an der Oberklasse war.

Werbung aus dem Jahr 1976, Mercedes liefert Innovation und lange Lieferzeiten
Werbung aus dem Jahr 1976, Mercedes liefert Innovation und lange Lieferzeiten

Mercedes setzt mit der W 123-Baureihe die Trends

Dass der Stern damals so hell strahlte, lag auch an einer anderen Tatsache.

Mercedes rannte nicht so wie in der Gegenwart jedem Trend hinterher.

Mercedes war der Trend.

Daher konnte man es sich leisten, besonders kleinlich zu sein. Jedes Extra wollte großzügig bezahlt werden und der Begriff Extra fing bereits beim Außenspiegel an der Beifahrerseite an. Das schreckte nicht ab, wie heute viele Klassiker der W 123-Baureihe beweisen, die mit einer ziemlich mageren Ausstattung Zeugen der damaligen Verhältnisse sind.

Ziemlich interessant ist der Kombihebel, den Mercedes als Neuentwicklung Kombischalter nennt. Er umfasst den Wischer der Frontscheibe, die Waschanlage, den Blinker, das Auf- und Abblenden des Fahrlichts und die Lichthupe. Mercedes ist ausgesprochen stolz darauf, der Kombischalter wird ein Standard in der Mercedeswelt, und hätte sich Citroën diese Innovation getraut, die deutschen Motorjournalisten hätten im Kollektiv einen Schreikrampf entwickelt.

Aber das war Mercedes, unantastbar. Eine ewige Ikone der deutschen Autoindustrie, die damals noch Maßstäbe setzen konnte.


Entdecke mehr von carstories

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Das könnte auch gefallen:

0 0 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

0 Comments
Oldest
Newest Most Voted
0
Was denkst Du? Hinterlasse einen Kommentar!x