Manche Dinge benötigen einfach Zeit. Bei Alfa Romeo sogar viel Zeit. Seit 1972 produziert der Hersteller im Süden des Landes den Alfasud. Dessen Konzept ist eigentlich revolutionär: Er ist der Bote der modernen Kompaktklasse, die Europa innerhalb weniger Jahre dominieren wird. Aber er rollt durch besonders schwierige Zeiten. Ausufernde Streiks bis hin zur Sabotage erschüttern die Produktion, Qualitätsmängel schrecken die Kunden und auch das Management scheint überfordert.
Allerdings, die Herausforderungen sind generell immens. Die aus politischen Gründen im Süden Italiens angesiedelte Produktion macht aus „13 000 Bauern jetzt Automobilarbeiter“, wie der deutsche Alfa Romeo Pressechef im Frühjahr 1980 wissen lässt. Mit dem großen Facelift, welches für den Alfasud die letzte Verbesserung vor seiner Ablösung sein wird, soll endlich alles gut werden. Ist es das wirklich?

Im Jahr 1980 erhält der Alfasud sein finales Facelift – ist alles gut?
Immerhin ist im Jahr 1980 in der Herstellung so etwas wie Normalität eingekehrt. Der kompakte Alfasud ist in den 8 Jahren seiner Produktion gereift, jetzt bekommt er weitere Retuschen. Am auffälligsten sind außen die geänderten Scheinwerfer, die endlich ein akzeptables Licht liefern, und die vergrößerten Rückleuchten. Im Innenraum sind es das neu gestaltete Armaturenbrett, wertigere Materialien und die verbesserten Sitze, die tatsächlich gelobt werden.
Nach wie vor fährt sich der Alfasud so, wie man es von einem Fahrzeug mit sportlichem Anspruch erwarten darf. Das Kurvenverhalten des Frontantriebswagens ist immer noch überdurchschnittlich gut, allerdings wird ein gewisser Krafteinsatz am Lenkrad vorausgesetzt. Der Motor gilt als drehfreudig, das 5-Gang-Getriebe ist leicht zu schalten, der Verbrauch liegt im Durchschnitt seiner Klasse.
Auch nach dem Facelift zeigen sich Schwächen im Detail
Es sind Details, die im Frühjahr 1980 deutsche Tester nerven. Der Lenkstockhebel ist schwer zu erreichen und er muss mühsam verdreht werden, um die Scheibenwischer zu bedienen. Die Heizung geht in Ordnung, für Italien. Nicht aber für das kalte Deutschland, sie spricht langsam an und ist zu schwach dimensioniert. Das Lüftergebläse, das man aufdrehen muss, um etwas Heizleistung zu erreichen, nervt mit seiner markanten Geräuschentwicklung.

In den Details liefert der Alfasud immer noch zu wenig Feinschliff, um zu gefallen.
Anders sieht es bei den Bremsen aus.
Hier schreibt die Auto Motor Sport, dass die Italiener fast zu viel des Guten anbieten. Vier Scheibenbremsen gibt es rundum. Es hätten hinten auch einfache Trommeln gereicht, so wie sie die deutschen Mitbewerber in dieser Fahrzeugklasse bevorzugen. Ist das objektiv geurteilt, oder mit einem nationalen Interesse, denn Bremsen können niemals zu gut sein?
Aber: Der überarbeitete Alfasud 1.5, jetzt für 14.490 statt 13.900 DM zu haben, bietet einen guten Gegenwert, schreibt die Fachpresse.
Die Heckklappe lässt auch weiter auf sich warten
Auf ein lange vermisstes Ausstattungsmerkmal muss der Kunde aber weiterhin warten. Der Alfasud hat immer noch keine große Heckklappe, so wie sie der VW Golf von Anfang an anbietet (Link). Ein Nachteil des Italieners. Der Kofferraum hat nur eine schmale Ladeluke, es gibt lediglich eine Durchladeeinrichtung für Ski und lange Gegenstände.
Bis zur Ankunft der Heckklappe gehen weitere Monate ins Land, und erst ab Dezember 1981 rollen die lang ersehnten Versionen zum Kunden. Zu dem Zeitpunkt ist die Alfasud Geschichte aber fast schon auserzählt, denn rund 18 Monate später endet die Produktion.
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Alfa Romeo ist ein ewiges Drama, man hofft immer das alles besser wird, aber das wird es nicht!