Das ist die italienische Lebensart, die Alfa Romeo Giulietta

Nur sehr wenige Automarken sind emotional so aufgeladen wie Alfa Romeo. Die Marke transportiert Schmerz, Drama und zeitgleich Fahrvergnügen und Lebensart. Alfa Romeo steht scheinbar fortwährend für Krise, Erwartung und Hoffnung – bis heute.

Warum sollte das zu den Zeiten der Giulietta anders gewesen sein?

Es ist wirklich so, dass um das Jahr 1980 herum bei Alfa die Kassen wieder einmal leer und die Krise gegenwärtig war. Neues Geld musste her und der Alfa-Konzern, der zur italienischen IRI Staatsholding gehörte, hatte einen Plan. Die verwegene Idee? Zusammen mit Nissan sollte es eine produktive und innovative Ausgründung geben.

Das neue Unternehmen ARNA (Alfa Romeo Nissan Auto) sollte der Traditionsmarke zu Stückzahlen und gefüllten Konten verhelfen.

Alfa Romeo Giulietta 1.8 Super
Alfa Romeo Giulietta 1.8 Super

Italienische Lebensart – die Alfa Romeo Giulietta

Menschen mit Benzin im Blut und einer Leidenschaft für Autos, die nicht zwingend Alfisti sein mussten, wendeten sich bei diesen Plänen mit Grauen ab. Alfa und Nissan zusammen – gegensätzlicher hätten die Partner nicht sein können – und dass diese Pläne nicht funktionieren würden, war von vornherein klar.

Aber immerhin – beim Händler parkte die Giulietta. Ein Stück italienischer Ingenieurskunst und Lebensart, in die man sich verlieben könnte. Auch wenn hier der Rotstift aufgrund der Krise ebenfalls angesetzt wurde und die Deutschen nicht mehr jede Motorisierung bekamen – hier war Musik drin. Denn gestrichen wurde nur die wenig beliebte Basismotorisierung mit 1,3 Litern, das konnte man verkraften.

Die Vierzylinder Leichtmetallmotoren, die es 1980 für den deutschen Markt mit 1,6, 1,8 und neu in diesem Modelljahr auch mit 2 Litern Hubraum gab, waren gierig nach Drehzahlen und öffneten jedes Herz. Die aufwendige Transaxle Bauweise (Link), Motor vorn und Getriebe hinten, stand für eine optimale Gewichtsverteilung, innen liegende Scheibenbremsen trieben die Wartungskosten in die Höhe, waren aber auch stellvertretend für das italienische Verständnis eines Sportwagens.

Eine Giulietta ist Leidenschaft – und alles, was Nissan nicht ist

Der von Ermanno Cressoni gezeichnete italienische Keil war eine Skulptur für automobile Leidenschaft, nichts hätte den Verantwortlichen mehr zeigen können, dass das mit Nissan gar nicht ging. Aber sie wollten die Zeichen nicht sehen.

Werbung für die Alfa Romeo Giulietta (1980)
Werbung für die Alfa Romeo Giulietta (1980)

Die Giulietta war die italienische Limousine für Fahrfreude. Sie wurde in einem Atemzug mit BMW genannt, und wer sieht, was heute unter dem magischen Namen Alfa Romeo angeboten wird, dem steigen bei den neuesten Modellen die Tränen in die Augen.

Die Münchner Werbeagentur Eiler und Riemel, die für Alfa Romeo Deutschland im Jahr 1980 die gezeigte Annonce entwarf, verzichtete vollkommen untypisch für diese Zeit auf einen Werbeslogan. Eine rote Giulietta 1.8 parkt vor einem Kaffee, eine beliebige Straßenszene, die dennoch ausdrucksstark ist. Der Cressoni Keil spricht für sich, er trägt ein polarisierendes Design, mit dessen Hilfe Alfa Romeo die ältere Alfetta Basis neu verpackte.

Cressoni war in diesen Jahren nicht unumstritten, wie auch die Giulietta die Welt von Alfa Romeo spaltete. Die einen liebten sie. Sie sahen darin die italienische Lebensart und schätzten ihre feine, ausgewogene Technik. Die anderen hassten sie und machten Cressoni für den drohenden Untergang von Alfa mitverantwortlich.

Technische Daten Alfa Romeo Giulietta (1980):

Reihenvierzylinder, 1767 cm³, 122 PS, 167 Nm bei 4.000 Umdrehungen/min

2 × 2 Weber 40 Vergaser

Querlenker und Torsionsfedern vorn, De Dion Achse und Schraubfedern hinten

Leergewicht 1100 Kilogramm

Höchstgeschwindigkeit 179 km/h


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