Audi 100 LS – Sofa Sitzkomfort für fünf Personen

Fast jede Automarke hat mindestens eines. Ein Schicksalsauto, das es eigentlich nicht hätte geben dürften. Dass es trotzdem auf den Markt schaffte, weil Menschen mit eigenem Kopf und einer Portion Starrsinn auf Anweisungen von oben herzlich wenig Rücksicht nahmen.

Für Audi ist der 100 (C1) der Schicksalswagen.

Wäre er nicht gekommen, hätten die beiden Werke in Ingolstadt und Neckarsulm ein ziemlich bescheidenes Schicksal als VW-Montagefabriken gehabt. Aber die Marke hatte das Glück auf ihrer Seite. Der von Mercedes gewechselte technische Direktor Ludwig Kraus ging ins Risiko und trieb entgegen sämtlichen Richtlinien aus Wolfsburg die Entwicklung des Audi 100 in aller Heimlichkeit voran.

Im Oktober 1969 kam der erste große Audi, der Urvater der heutigen A6-Serie, auf den Markt. Und wurde zum Erfolg.

Sofagefühl für 5 - Audi 100 LS
Sofagefühl für 5 – Audi 100 LS

Audi 100 LS – Sofa Sitzkomfort für fünf Personen

Dass Audi viele Jahre später in einem Zug mit Mercedes und BMW als Premium-Marke genannt werden würde, war damals selbst in den kühnsten Träumen nicht zu ahnen. Der Typ C1 war ein erster Versuch – und ein spannender dazu. Erstmals bei einem Serienfahrzeug wurde die Karosserie mit Computerhilfe konstruiert, was wegweisend, aber dem Kunden letztlich egal gewesen sein dürfte.

Wichtiger für die Käufer waren andere Kriterien, die Audi NSU 1970 bewarb. Eine für die Zeit nicht selbstverständliche farbige Anzeige warb für die Komfort-Eigenschaften. Der Audi 100 LS hatte tatsächlich nicht nur ein Federkern-Sofa als Rücksitzbank, wie wir es auch von anderen Herstellern kennen (Link). Selbst die Vordersitze waren Federkern-Sessel, die Sofa-Sitzkomfort für fünf Personen versprachen.

Während man das nach heutigem Dafürhalten für eine große Portion bürgerlicher Gemütlichkeit halten könnte, sieht Audi beim 100 LS überraschend auch den Sport-Komfort. In nur 3,8 Sekunden sprintet der 90 PS starke Audi 100 LS (ab 1971 100 PS) auf Tempo 50 und dass als drittes Verkaufsargument die Innenraumluft in 15 Sekunden getauscht werden kann, mutet etwas merkwürdig an.

Rauchen ist auch bei geschlossenem Fenster erlaubt

War das ein Seitenhieb in Richtung Wolfsburg und Käfer, mit seiner stets elenden Belüftung? Oder warum warb Audi für den schnellen Lufttausch?

Werbung für den Audi 100 LS (1970)
Werbung für den Audi 100 LS (1970)

Der Grund, die Breitband-Ventilation zu bewerben, ist ein anderer. Man kann im Audi 100 LS problemlos rauchen, auch bei geschlossenen Fenstern. Sagt die Werbung und weist freudig darauf hin, dass die Innenraumluft alle 15 Sekunden erneuert wird, bei Tempo 100.

Intensives Rauchen bei geschlossenen Fenstern – als Komfort-Eigenschaft. Überzeugte Nichtraucher scheinen damals ein schweres Leben gehabt zu haben.

Audi verkaufte vom Typ C1 bis zum Generationswechsel 1976 827.474 Exemplare. Die Ingolstädter schafften es auf Anhieb, mit ihrem ersten großen Wagen Menschen aus gut situierten bürgerlichen Verhältnissen für sich einzunehmen, für die ein Mercedes entschieden zu dick auftrug und ein BMW zu sportlich war. Ein Erfolg für das Auto, das es nicht hätte geben sollen und ohne das die Marke Audi vermutlich nicht überlebt hätte.

Technische Daten Audi 100 LS (1970):

Reihenvierzylinder, 1760 cm³, 90 PS, 74 Nm bei 5.100 Umdrehungen/min

Fallstrom Registervergaser

Querlenker und Federbeine vorn, Starrachse und Schraubfedern hinten

Leergewicht 1120 Kilogramm

Höchstgeschwindigkeit 162 km/h


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