Opel hat in seiner Geschichte immer wieder mutige Phasen. Den Opel GT kann man in diese Kategorie einsortieren, denn er kommt überraschend und ist nicht das, was man aus Rüsselsheim erwartet. Bei Opel bauten sie damals keine schlechten Autos, aber die Produkte gelten allgemein als uninspiriert und bieder und es fehlt der Imageträger.
Den schenkt sich die Marke im Jahr 1968, als die Produktion des Opel GT anläuft. Die jedoch gestaltet sich etwas kniffelig. Denn aus Gründen der fehlenden Kapazität in eigenen Werken wird die Karosserie in Frankreich bei Chausson hergestellt, während im nächsten Schritt Brissoneau & Lotz, ebenfalls ein französischer Anbieter, die Lackierung und Innenausstattung erledigen.

Der Opel GT ist ein gelungener deutsch-französischer Imageträger
Dann erst überquert die Karosserie die deutsch-französische Grenze und kommt im Opel-Werk Bochum an. Dort wird der Opel Kadett produziert und technisch gesehen basiert der GT auf dem Opel Kompaktwagen. Man glaubt es kaum, doch unter der atemberaubenden Karosserie mit ihrem fantastischen Design steckt brave Opel Kadett B Technik (Link).
Immerhin spendiert Rüsselsheim dem Opel GT auf Wunsch den stärkeren Motor aus dem Rekord C, während die Grundversion mit dem aus dem Opel Kadett bekannten Antrieb auskommen muss.
Dass sich niemand daran stört, zeigt, wie großartig das Design von Erhard Schnell ist. Der Opel GT ist optisch ein Sportler durch und durch, er erzeugt Begehrlichkeiten und ist ein großartiger Imageträger für Opel. Alleine schon die klappbaren Scheinwerfer sind Kult, die Kinderzimmer der Republik werden mit Opel GT Modellautos mit drehbaren Scheinwerfern geflutet und die Erwachsenen träumen vom sportlichen Opel im 1:1 Maßstab.

Warum endet die Geschichte so schnell?
Ein Freund fährt viele Jahre später den Sportwagen aus Bochum als Gebrauchten. Sein Opel ist damals kurz vor dem Ende seines Lebens, die Lackierung hat er selbst in einer undefinierbaren Farbe aufgebracht. Aber die Magie der Baby-Corvette, wie der GT auch bezeichnet wird, wirkt immer noch. Der Opel zieht auch nach mehr als einem Jahrzehnt noch die Blicke auf sich. Er gilt Unkundigen auch mit 55 asthmatischen PS als Sportwagen.
Für Opel endet die Episode mit dem Sportwagen auf jeden Fall entschieden zu früh. Nach etwas mehr als 103.000 Exemplaren ist 1973 das Ende gekommen, eine mögliche Targa Version schafft es erst gar nicht auf den Markt.
Über das schnelle Ende wird immer wieder spekuliert. Plausibel erscheint diese Begründung. Brissoneau & Lotz wird von Chausson übernommen, Renault ködert mit Lieferverträgen für die Alpine A110, was zur Kündigung des Opel-Vertrags für Karosserie und Innenausbau geführt haben soll.
Der deutsch-französische Imageträger verschwindet, Renault hat einen möglichen Konkurrenten für die Alpine auf elegante Art ausgebremst.
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