Mit dem Kadett GT/E setzt Opel einen überraschenden sportlichen Trend

Es ist die IAA in Frankfurt am Main im Jahr 1975, die große internationale Autoschau. Auf dem Opel Stand ereignet sich aufregendes, denn die Rüsselsheimer zeigen eine sportliche Neuheit. Der Opel Kadett GT/E wird in das Rampenlicht gerollt und er setzt den Trend für sportliche Fahrzeuge in der Kompaktklasse.

Noch bevor Volkswagen den ersten Golf GTI auspackt, zeigt Rüsselsheim, wie die Zukunft sein wird. Der Opel Kadett dieser Jahre ist ein populäres Weltauto. Er ist einfach konstruiert, konventionell bis hin zu der letzten Schraube und preiswert. Ein Erfolgstyp, den es in unzähligen Varianten gibt. Gleichzeitig ist der Opel etwas langweilig. Die Trends werden in Wolfsburg gemacht. Mit dem VW Golf (Link).

Der Opel Kadett GT/E ändert das, zumindest für einen kurzen Moment und doch auch nachhaltig. Dass es so kommt, ist etwas überraschend.

Opel Kadett GT/E - Ist Opel fahren wie, wenn Du fliegst?
Opel Kadett GT/E – Ist Opel fahren wie, wenn Du fliegst?

Mit dem Kadett GT/E setzt Opel einen überraschenden sportlichen Trend

Opel hat tatsächlich etwas geschlafen. Der Opel Kadett C ist mehr oder weniger der Aufguss des beliebten Vorgängers, die Trends im Kompaktsegment scheinen an der Marke mit dem Blitz vorbeigegangen zu sein. 1975 ist der Alfasud (Link) immerhin schon 3 Jahre auf dem Markt, Volkswagen punktet mit dem Golf und in Bochum fährt der Kadett ungerührt mit längs eingebautem Motor und Hinterradantrieb aus dem Werk.

Natürlich hat Opel den Bestseller der Zeit angepasst. Ein wenig zumindest, dort, wo es nicht besonders viel Geld kostet. Zum Start der Baureihe 1973 gibt es vorne Dreipunktgurte, aber kein Sicherheitsglas in Serie an der Frontscheibe. Das Fahrwerk erhält eine breitere Spur, außerdem eine neue Doppelquerlenkerachse mit Schraubfedern.

Aber am Konzept als solchem ändert Opel nichts. Es ist abzusehen, dass die Marke unter Druck geraten wird, denn die Konkurrenz verhält sich erheblich innovativer.

Der Opel Kadett GT/E hebt das Image und fährt Rallye

Der Opel GT/E ist ein sportlicher Befreiungsschlag für einen kurzen Moment und ein Imagebringer. Unter die Haube wird ein 1,9 Liter Vierzylinder verpflanzt, ein Motor mit L-Jetronik Einspritzung von Bosch, der 105 PS leistet. Da der Kadett GT/E nur 900 Kilogramm wiegt, sorgt das neue Triebwerk für ambitionierte Fahrleistungen. Der Kompaktwagen erreicht 184 km/h in der Spitze, der Opel Blitz fliegt auf der linken Spur über die Autobahn.

Das Marketing verpasst dem GT/E eine auffällig gelb/schwarze Lackierung, oben gelb und unten schwarz, und obwohl auch andere Lackierungen möglich sind, bestellen viele Fans ihren Opel in dieser Farbe. Der Grund ist eindeutig, denn die Marke lässt ein Jahr später die Sportversion des Kadett GT/E über die Rallye-Piste fahren.

Opel Kadett GT/E Werbung 1976, auffällige zweifarbige Lackierung
Opel Kadett GT/E Werbung 1976, auffällige zweifarbige Lackierung

Anhaltende Erfolglosigkeit kann das Image nicht beschädigen

Am Steuer sitzt Walter Röhrl und eigentlich läuft es nicht gut mit Röhrl und dem Opel. Eine Zielankunft während der Akropolis Rallye steht auf der Habenseite, ansonsten ist der Kadett GT/E in der kompletten Saison ausgesprochen erfolglos und unzuverlässig. Auch bei der Deutschen Rallye-Meisterschaft ist es nicht besser. Einem siebten und einem achten Rang stehen drei Ausfälle gegenüber.

Die anhaltende Erfolgslosigkeit geht auch im Jahr darauf weiter, Röhrl hat genug von Opel. Er wechselt zu Fiat – und siegt.

Dem Opel-Marketing kann der Flop auf der Rennstrecke wenig anhaben. Ins Ziel kommen, das wird als Erfolg verkauft, und der Umstand, dass im Fernsehen der auffällig lackierte Opel Kadett GT/E durchs Bild fliegt, wenn auch ohne Sieg, erweist sich überraschend als Image-stärkend.

Obwohl der Opel Kadett bis auf den Motor von einfachster Machart ist und die Verarbeitung ebenfalls keinen höheren Ansprüchen genügt, zieht das Ding mit der Sportlichkeit. Junge Markenfans greifen zu, später entspinnt sich daraus ein Duell Golf GTI gegen Kadett GT/E, das eine Glaubensfrage sein kann.

Der Nimbus der Sportlichkeit ist auch Jahrzehnte später ungebrochen. 50 Jahre nach dem Debüt während der IAA werden normale C-Kadett Coupés verstärkt auf GT/E umgerüstet, man kann auch von Fälschungen reden, denn die Preise haben Liebhaberregionen erreicht. Einen Trend zu setzen, hat sich für den GT/E auf jeden Fall ausgezahlt.


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