Die Gattung der Wiesel, ein Raubtier aus der Familie der Marder, wird zeitweise werbetechnisch sehr beansprucht. VW wirbt mit „ein Diesel wie ein Wiesel“, Mitsubishi mit „flink und leise wie ein Wiesel“ ebenfalls für einen Diesel. Diesel und Wiesel reimt sich, die Kombination ist an Anspruchslosigkeit schwer zu übertreffen.
Doch die Werbetreibenden damals sollen dafür sogar entlohnt worden sein.
Die Wiesel-Episode nimmt mit der Ölkrise Fahrt auf, das Verlangen nach verbrauchsgünstigen Fahrzeugen wird größer, und die Hersteller reagieren. Volkswagen schiebt den Golf Diesel 1976 ins Programm, bis zum GTD Turbo Diesel ist es noch ein weiter Weg, aber der 1,5 Liter Saugdiesel kann als Wegbereiter einer ganzen Epoche gelten.

Der Volkswagen Golf ist (k)ein Diesel wie ein Wiesel
Denn spätestens ab 1982 rückt der GTD den Diesel in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und die Phase der Dieselwolken auf der linken Spur der Autobahn nimmt seinen Lauf.
Der normale Diesel ist im Jahr 1979, als Volkswagen die Wiesel-Anzeige unters lesende Publikum bringt, von jeder Dynamik eines Wiesels Lichtjahre entfernt. Er möchte brav vorglühen, besonders lange im Winter, bis er sich überhaupt starten lässt. Der Leerlauf ist polternd und rau, ein Lanz Ackerschlepper hat den besseren Klang und versprüht zugleich viel mehr Charme.
Selbst warm gefahren ist der Golf-Diesel nicht in der Reichweite der Laufkultur, die moderne Dieseltriebwerke erreichen. Er ist ein lethargischer Geselle, der sich in 19 Sekunden vom Stillstand auf Tempo 100 bitten lässt und dem bei 140 km/bereit die Puste ausgeht.
Die Spitzengeschwindigkeit ist ein rein theoretischer Wert, den Volkswagen im norddeutschen Flachland misst. Verschlägt es den Golf in Mittelgebirgsregionen, röchelt er die Steigungen mit schwindendem Elan hoch, bis er final zum Verkehrshindernis mutiert. Vielleicht hätten die Produktstrategen vom Mittellandkanal einen Blick nach Frankreich werfen sollen, wo Talbot (Link) es mit einem großvolumigen Saugdiesel besser macht.
Dass es an der Spitze einer Bewegung steht, die Volkswagen erfolgreich machen wird und die Aktionäre glücklich werden lässt, ist damals kaum zu ahnen.

Im Volkswagen Golf Diesel fröstelt man wie im VW Käfer
Allerdings nimmt er es mit VW-Traditionen ziemlich ernst. Die Heizung ist ähnlich leistungsfähig wie im Käfer. Im strengen Winter flucht der Golf Diesel Fahrer, denn der Luftstrom reicht kaum aus, um die Frontscheibe frei von Schnee und Eis zu halten. Über gemütliche Wärme im Innenraum muss man erst gar nicht nachdenken.
Wie sehr die Werbung die Wahrheit verbiegen kann, präsentiert die Anzeige in den deutschen Medien aus dem Jahr 1979. Der Golf ist kein Wiesel, er ist auch nicht flink in der Stadt. Denn er hat keine Servolenkung in den günstigen Varianten und einen großen, schwerfälligen Wendekreis. Nur eines stimmt. Er knausert mit fossilen Brennstoffen, und das ist es wohl, was seine Karriere durchstarten lässt.
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