Alfa Romeo wirbt mit einer langweiligen Anzeige für den Alfasud

Eine langweilige Anzeige, die dagegen opponiert, sich nur noch in langweilige Autos zu setzen. Das kann man machen und Alfa Romeo wirbt so im Jahr 1979 für den Alfasud. Der Aufreger dieser Zeit ist die Krise. Nicht die Klimakrise, mit der alles dem Untergang entgegen driften soll, sondern die Energiekrise.

Die wird ähnlich bedrohlich wahrgenommen wie die Krisen der Jetztzeit, ist sie doch ein unerhörter Einschnitt in das Denken, dass alles nur noch größer, besser und schöner werden soll. Die Grenzen des Wachstums sind bereits zu ahnen, und etliche Hersteller holen umgehend Autos zum Spritsparen aus der Schublade.

Diese sind langweilig, sagt Alfa Romeo, und schaltet eine mindestens ebenso langweilige Anzeige in den deutschen Medien. Und streift dann noch das Wort Turbo Diesel. Was ziemlich heikel ist.

Energiekrise vs. langweilige Autos
Energiekrise vs. langweilige Autos

Alfa Romeo wirbt mit einer langweiligen Anzeige für den Alfasud

Tatsächlich schiebt Volkswagen damals den Golf Diesel an den Start. Der hat nur 50 PS und ist wirklich langweilig. Der ewige Rivale des Alfasud, der so viel mehr erfolgreicher als der italienische Kompaktwagen ist, sitzt wie ein Stachel im Fleisch der Mailänder Automarke (Link).

Die hat dem Golf-Diesel mal wieder nichts entgegenzusetzen, vielleicht will sie es auch gar nicht. In einer ganzseitigen Anzeige wirbt die deutsche Alfa Romeo-Niederlassung in Frankfurt-Griesheim für den Alfasud und gegen automobile Langeweile. Sie hat natürlich recht, das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.

Allerdings ist sie auch überoptimistisch, was die Verbrauchswerte betrifft. Der Alfasud 1.5 Super soll lediglich 8,7 Liter bei konstant 120 km/h verbrauchen. Das mag in der Theorie funktionieren, im wahren Leben sind es 10 plus Liter, die ein Alfa-Romeo-Fahrer freudig konsumieren lässt.

Der Grund liegt auf der Hand. Das drehfreudige Boxer-Triebwerk-Herz des Alfa freut sich auf Drehzahlen und der Fahrer freut sich auf den Klang des Alfasud. Energie sparen und Spaß haben geht so nicht Hand in Hand.

Alfa Romeo - eine langweilige Anzeige für ein sicher nicht langweiliges Auto
Alfa Romeo – eine langweilige Anzeige für ein sicher nicht langweiliges Auto

Kein Turbo-Diesel? Alfa Romeo arbeitet bereits daran.

Etwas heikel wird es dann beim Wort Turbo-Diesel. Das Warten lohnt sich nicht, behauptet Alfa Romeo. Denn man spare ohne jeden Zweifel Kraftstoff, aber die Mehrkosten sind so hoch, dass sich ein Turbo-Diesel erst nach 250.000 Kilometern rechne.

Was Alfa Romeo hier verschweigt, ist die Tatsache, dass man im gar nicht so stillen Kämmerlein an einem eigenen Turbo-Diesel arbeiten lässt. Der ist fast in greifbarer Nähe und wird von VM Motori entwickelt.

Er kommt nur ein Jahr nach dieser Werbung auf den Markt, nicht im Alfasud, sondern im Alfa 90. Die Niederlassung in Frankfurt am Main prognostiziert 1.800 Fahrzeuge, die man jährlich den Deutschen zum Energiesparen verkaufen möchte.


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