Kann man einen Opel Kadett aus dem Jahr 1967 als sportlich sehen? Es kommt auf die Perspektive an. Der B Kadett fuhr mit dem VW Käfer um die Wette, beide lieferten Fahrleistungen, die man heute als bescheiden einschätzt. Aber wie der Käfer war auch der Kadett ein Erfolgsmodell, die B-Serie verkaufte sich über 2,7 Millionen Mal.
Heute würde man in Rüsselsheim vor Glück schreien, bei diesen Zahlen. Und garantiert nicht nur das.
Die Zeiten waren damals bescheidener und zum sportlichen Glück des Opel-Fahrers genügten bereits 45 oder 55 PS. Der ewige Rivale aus Wolfsburg hatte übrigens nur 30 oder 34 PS im Heck. Der Opel verfügte also über viel mehr Leistung unter der Frontmotorhaube.
Da durfte man als Kadett Fahrer schon auf sportliche Gedanken kommen.

Spüren Sie, dass der Opel Kadett Sportlichkeit und Sicherheit bedeutet?
Ganz klar, der Opel war das modernere Konstrukt. Auch wenn der Käfer heute unantastbar als Ikone auf dem Podest der ewigen Klassiker parkt, bot der Kadett in jeder Hinsicht mehr für den Geldbeutel. Frontmotor und Heckantrieb standen für einen gewissen Komfort. Die Heizung des Kadett war der Belüftung des Käfer in jeder Weise überlegen, und nur im Winter konnte der Wolfsburger auf Schnee und Eis seine Vorteile bei der Traktion zeigen.
In einer Zeit, als Werbegrafiker noch am Zeichenbrett Anzeigen entwarfen, entstand die hier gezeigte Werbung für den B Kadett.
Opel schaltete sie Anfang 1967 in den deutschen Printmedien. Sie zeigt einen Kadett mit dem fast verpflichtenden Bochumer Nummernschild im sportlichen Überholmodus, der mit durchgedrücktem Gaspedal an einem Lkw vorbeizieht. Das hätte der Betrachter vielleicht missinterpretieren können.
Deshalb war Aufklärung angesagt.
Der Werbetext stellt klar, dass der rasant überholende Kadett dennoch kein Auto für Angeber sei (damals ein ernst zu nehmendes Thema), sondern mit seinen Reserven für Sicherheit und Sportlichkeit steht.
Und während wir heute die Autos voller Notfallassistenten haben, die im Ernstfall bremsen, lenken, Gurte straffen und Airbags auslösen, war es früher rührend einfach. Die Instrumententafel sei unten und oben gepolstert, die Knöpfe und Schalter aus Weichplastik und die selbsttragende Karosserie gebe im schlimmsten Fall an Front und Heck nach.
So beruhigt Opel die Kundschaft.

Wohlgemerkt: Die Karosserie gibt nach, vorn und hinten. An der Seite auch, aber darüber schweigt man. Eine Knautschzone, ein definierter Teil der Karosserie, der Energie wirkungsvoll auffängt und weiterleitet und die Fahrgastzelle schützt, gab es damals nicht.
Zusätzlich würde auch das gute Fahrwerk, mit einer Zentralgelenkachse (Link), für Sicherheit sorgen. Das war Anfang 1967 gut, aber ab den Werksferien des gleichen Jahres nicht mehr. Dann ersetzte Opel die Blattfedern der besagten Achse durch Längslenker, Panhardstab und Schraubfedern – was zu einer spürbar besseren Straßenlage geführt haben soll.
Die kleinen Rückleuchten, bei Dunkelheit mehr zu erahnen als zu sehen, wurden durch größere Ausführungen ersetzt. Aber das war 1967, der Käfer war weder komfortabler noch bei Dunkelheit und Dämmerung besser zu sichten.
Geprüfte Zuverlässigkeit – der Werbespruch dieser Jahre – muss tatsächlich Substanz gehabt haben. Denn sonst wäre es den Rüsselsheimern nicht gelungen, mehr als 2,7 Millionen Exemplare zu verkaufen.
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