Alfa Romeo ist die Marke, die man liebt. Oder die man ablehnt. Kaum eine andere Automarke hatte mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen wie Alfa Romeo, und das bereits zu Zeiten der klassischen Giulia. Die sportliche Limousine der Mailänder Marke, die aus dem Arese und Portello Werk kommend die Welt verzauberte.
Man hat es vielleicht vergessen, aber die Giulia spielte in den 1960er Jahren in einer Liga mit einem Porsche 356 B 1600 Super 90 und war ein ernsthafter Sportwagen, der nur zufällig vier Türen hatte. Denn die starke Giulia TI kratzte mit 190 km/h Höchstgeschwindigkeit bereits an der prestigeträchtigen Club-200 Schallmauer, das Image der 4 Scheinwerfer im Rückspiegel war auf Autobahnen enorm.

Warum würden Sie nie einen Alfa Romeo kaufen?
Allerdings wäre es nicht fair, die Giulia alleine auf sportliches Fahren und auf ein attraktives Äußeres zu reduzieren. Die von Oratio Sata Puglia (Link) entwickelte Giulia war als eines der ersten Fahrzeuge überhaupt mit einer Sicherheitsfahrgastzelle und definierten Crashzonen versehen worden und damit wegweisend.
Das Giulia-Menü garnierte Alfa Romeo mit Rennsporttechnik, die von Giuseppe Busso entwickelten Motoren waren extrem drehfreudig und hatten einen markanten, Alfa Romeo typischen Klang, der das Image der Baureihe und bald auch der Marke prägte. Die Giulia erhielt ein voll synchronisiertes Getriebe mit fünf Gängen, ab Mai 1964 hatten die meisten Varianten sogar rundum Scheibenbremsen.
Bitte verschrecken Sie andere Verkehrsteilnehmer nicht!
Mit einer sportlichen Ausstattung im Innenraum, der reichhaltigen Instrumentierung und der phänomenalen Straßenlage kam italienische Fahrfreude auf. Alfa fahren konnte süchtig machen, jeder Kilometer war ein Gewinn und das Zusammenspiel von Mensch und Maschine definierte mit der Giulia einen Höhepunkt der Entwicklung.
Was nicht jeder als problemlos bewerten wollte. Deutsche Autozeitungen appellierten damals an die Alfa-Fahrer, bitte verantwortungsvoll mit der Technik umzugehen und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu verschrecken.
Trotz aller Punkte, die für eine Giulia sprachen, kämpfte Alfa mit den Vorurteilen deutscher Stammtischbrüder und entschloss sich 1967 dagegenzuhalten.

In einer Anzeige vom Frühjahr 67 betonte die deutsche Niederlassung, dass ein Alfa kein Auto für Angeber sei. Im Gegenteil. Eine Giulia Super wäre ein anspruchsvoller Familienwagen und ein Reiseauto. Ein Argument, das mancher Familienvater, träumend von einer Giulia, bereitwillig aufgenommen haben dürfte.
Auch das Vorurteil, ein Alfa Romeo sei nicht stabil, entkräftet man mit Argumenten. Denn Alfa gewinnt Bergrennen in Serie, im Jahr 1966 die 1000 km auf dem Nürburgring, und wem das nicht ausreichend genug sei, der solle die Tür einer Giulia hart zuschlagen.
Was hört er dann? Nichts anderes als Qualität.
Wesentlich schwieriger wird es mit der Frage, ob ein Alfa empfindlich sei.
Er ist es, denn die Motoren möchten sorgsam warm gefahren werden, sie lieben regelmäßige Ölwechsel und kalt fahren, den Motor abkühlen lassen nach der Autobahnhatz ist ein weiteres Thema.
Allerdings kann das Alfa Romeo so unmöglich schreiben.
Als versucht man es anders. Die Bezeichnungen anfällig, hochgezüchtet und kompliziert möchte man nicht im Raum stehen lassen. Stattdessen empfiehlt der Hersteller, den Motor mit etwas Gefühl zu behandeln. Setzt in Klammern die Bemerkung – wie eine Frau –, womit wir feststellen, dass im Jahr 1967 die Autos zwar toll waren, aber die Uhren noch ganz anders tickten.
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Also diesen Alfa würde ich kaufen wollen. Er ist eine der schönsten klassischen Limousinen aus Italien.