In Schönheit vergessen, das Simca 1200 S Coupé

Einige automobile Verwandtschaftsverhältnisse glaubt man nicht auf den ersten Blick. Das bildhübsche Simca 1200 S Coupé basiert auf dem Simca 1000, einem knuffigen Kleinwagen, der nicht unsportlich ist, aber auch nicht elegant. Die sportlichere Karosserieversion erscheint als Simca 1000 Coupé 1962, sie hat zu diesem Zeitpunkt nur 40 PS und kann kaum als ernsthafter Sportwagen gelten.

Doch Simca erkennt den eklatanten Leistungsmangel, der sich beim 1000 verkraften lässt (Link). Der schafft es trotz 32 PS als sportlich und rasant durchzugehen, vielleicht weil man aufgrund seiner Form dazu neigt, ihn zu unterschätzen. 1967 rüstet die Marke das Coupé endlich auf, das geschieht auf überzeugende Art.

Denn die PS-Leistung verdoppelt sich über Nacht.

Simca 1200 S Coupé (1967)
Simca 1200 S Coupé (1967)

In Schönheit vergessen, das Simca 1200 S Coupé

80 PS stehen beim Simca 1200 S im Fahrzeugschein, das ist für ein kleines Coupé im Format von weniger als 4 Metern Länge ziemlich beeindruckend. Mehr Leistung gibt es bis dahin in keinem Simca und man darf nicht vergessen, dass der Porsche 356 C drei Jahre zuvor mit Leistungsdaten von 75 und 95 PS unterwegs war, und der Simca mit 180 km/h Spitze genau zwischen beiden Modellen liegt.

Sogar eine Alfa Romeo Giulia Super (Link) stellt bei 175 km/h die Bestrebungen für weiteren Vortrieb ein, und theoretisch zieht das kleine Simca Coupé auf der Autobahn bei freier Fahrt an der italienischen Sportlimousine vorbei.

Simca selbst gibt sich alle Mühe, das 1200 S Coupé entsprechend zu vermarkten. Zu sehr kennen die Kunden die alte 40-PS-Version, doch das neue Modell ist ein anderer Kaliber. Entsprechend witzig wirbt das Unternehmen 1967 und stellt fest, dass der Sportwagen zu schade für das Schaulaufen im Saint Tropez, dem Hotspot des Jetsets, ist.

Kein Auto für Playboys – schreiben die Simca Werber. Das Modewort der Regenbogenpresse der 60er Jahre, welches dem deutschen Industriellensohn Gunter Sachs als Urheber zugeschrieben wird. Der machte Saint Tropez in der ganzen Welt populär und holte das verschlafene Fischerdorf aus dem Nichts in die grelle Welt der Scheinwerfer und der freien Liebe.

Schaulaufen für Playboys? Simca Werbung 1967
Schaulaufen für Playboys? Simca Werbung 1967

Stilsicher und exklusiv, heute mehr denn je

Bertone und die Simca Ingenieure beteuern, ein echtes Sportcoupé geschaffen zu haben, und liest man die Eckdaten, dann glaubt man ihnen. Heckmotor, Doppelvergaser, Scheibenbremsen und ein voll synchronisiertes Viergang-Getriebe werden durch den zur besseren Gewichtsverteilung nach vorn verlagerten Kühler ergänzt.

Dazu gesellen sich Sportsitze, eine wunderbare Uhrensammlung im Holzdekor Armaturenbrett und die äußerst elegante Bertone Karosserie rundet das Paket ab. Der Simca hat von allen Seiten eine Ahnung von Ferrari, nur dass er klein und bezahlbar bleibt.

Für Saint Tropez und die große Show taugt ein Simca 1200 S Coupé in der Gegenwart mehr denn je.

Es ist exklusiver als jeder Ferrari, das Überbleibsel einer vergessenen und ziemlich interessanten Marke. Man muss nur einen Überlebenden finden.


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