Manche Autos beginnen ihr Dasein unter eigentlich ungünstigen Umständen. Der Simca 1000 gehört dazu, seine Konzeption kommt von Fiat und soll eigentlich den betagten 600 im Sortiment der Italiener ersetzen. Doch in Turin verwirft man das Modell und reicht es zu Simca weiter, jenem französischen Hersteller, den es ohne die intensive Beziehung nach Italien nie gegeben hätte.
Das, was in Italien zu modern und zu radikal durchfiel, kommt für Simca zur rechten Zeit. Der 1000 rundet mit einem attraktiven Modell die Palette nach unten ab und er ist zu seiner Zeit hochmodern. Im Heck arbeitet ein neuer wassergekühlter Reihenvierzylinder mit 944 cm³ und 36 PS, und es ist speziell die Anordnung des Antriebs, welcher den quirligen Charakter des Simca prägen wird.

Mit dem 1000 startet Simca einen Welterfolg!
Auf den Heckmotor setzen damals viele. Der VW Käfer fährt damit durch die Gegend, Porsche vertraut darauf, oder der Renault Dauphine. Aber während der Käfer ein teutonisch seriöser Beitrag seiner Klasse ist, gibt sich der Simca 1000 komplett anders. Auf der Hinterachse, wo sich hinter den Rücksitzen auch der Tank befindet, lasten rund 65 Prozent des Fahrzeuggewichts. Nur 35 % hat die Vorderachse, in der Konsequenz steuert sich der 1000 extrem leichtfüßig, aber mit einem besonders ausgeprägten Übersteuern in Kurven.
Der 1000 ist gefühlt komplett sportlich, er wird der Freund der Familienväter, die gerne einen Alfa oder Porsche hätten, deren Bankkonto aber im bürgerlichen Lager zu Hause ist. Heute wird der kompakte Simca, auch durch die erfolgreichen Abarth Modelle, an seiner Sportlichkeit festgemacht. Aber auf der Wagenlänge von nur 3,80 Metern befindet sich ebenfalls eine vollwertige Limousine.
Um das zu beweisen, startet der Hersteller einen beispiellosen Mediencoup.
Kurz nach der Premiere ersetzt die Marke 50 Simca Ariane Taxis in Paris durch den viel kleineren 1000. Das erzeugte Medienecho zeigt den Neuen im Taxi Outfit, die Bilder sind in jeder Zeitung des Landes zu finden. Der Simca 1000 ist das Auto, das alles kann.
Der 1000 erobert die Nachbarländer, er wird in Deutschland populär und in Spanien produziert und wird zum Welterfolg. Südafrika erobert er wie die Vereinigten Staaten im Jahr 1963 und damit nur knapp 2 Jahre nach seiner Premiere.

Der Simca überholt die AMI Serie von Citroën
Das Simca Werk in Poissy, das die Marke 1952 von einem Traktorhersteller übernommen hat, gilt als eines der modernsten der Welt. Es ist hochautomatisiert, die Werbung aus dem Jahr 1963 erwähnt die „unbestechlichen Elektronenhirne“, und Simca setzt sehr früh auf Elektronik im Fertigungsprozess. Im ersten Jahr rollen mehr als 154.000 Simca 1000 aus den Werkshallen. 1963 erwähnt die Marke 1.200 Fahrzeuge, die pro Tag von den Bändern fahren.
Simca kommt mit dem Erfolg des 1000 allerdings nicht an den Renault Dauphine heran. Renault verkauft im Jahr 1962 266.767 Dauphine Neuwagen. Aber Simca bringt es fertig, die Citroën AMI mit nur 85.358 Fahrzeugen ziemlich matt aussehen zu lassen.
Der Simca 1000 hält sich lange in der Produktion, was für die Qualität seines Konzepts spricht. Selbst mit zunehmendem Alter versteht es Simca, das Interesse mit kultigen Werbeaktionen aufrechtzuerhalten (Link). In 17 Jahren werden es mehr als 2 Millionen Fahrzeuge, nie sinkt die Produktionsrate unter die Stückzahl von 100.000 Einheiten pro Jahr.
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