Der Citroën GS kommt 1970 auf den Markt und er wird für die Marke zum Dauerbrenner. Die Citroën Mittelklasse verkauft sich gut, was auch daran liegt, dass der Hersteller viel Komfort in Serie liefert. Dass er rund 9 Jahre den Kundenwunsch nach einer großen Heckklappe erfolgreich ignoriert, wird dabei gerne vergessen.
Denn so lange die Nachfrage stimmt, ist das kein Problem.
Der Citroën GS ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit nonkonformistischen Fahrzeugen in der eigentlich konservativen Mittelklasse in den 70er Jahren Erfolg haben kann. Der GS ist futuristisch, er ist eine Mischung aus der göttlichen DS und des darauffolgenden CX, nur eine Nummer kleiner. Die von der Aerodynamik diktierte Form fällt auch 1977 auf. Zu dem Zeitpunkt ist der GS 7 Jahre am Markt, und er sieht immer noch kein bisschen alt aus.

Mit dem GS liefert Citroën viel Nonkonformismus in der Mittelklasse
Tatsächlich bietet Citroën sehr viel für das Geld des Kunden, die Einzigartigkeit beginnt bereits bei der Hydropneumatik. Das System ist im Vergleich zum CX etwas weniger raffiniert ausgelegt, es muss Unterschiede geben, damit die Mittelklasse dem großen Citroën keine Kunden abnimmt. Aber die Hydropneumatik macht auch hier schlechte Straßen vergessen, sie arbeitet als automatischer Niveauausgleich, und die Bodenfreiheit lässt sich dermaßen variieren, dass ein GS mehr Talent für schlechte Wege als ein modernes SUV hat.
Natürlich gibt es auch im Innenraum einiges an Komfort zu entdecken. Die Instrumentierung gilt als komplett, die Bediensatelliten und der Lupentacho transportieren eine Menge von Futurismus und erfreuen jeden Nonkonformisten. Kleinigkeiten wie eine Mittelkonsole sind in dieser Klasse damals nicht selbstverständlich, sie dient als Ausweis für eine höhere Fahrzeugklasse, und vier Türen in Serie gibt es ebenfalls nicht überall.
Dass der Citroën vier Scheibenbremsen hat, ist großzügig und ein Ausweis für (eigentlich nicht vorhandene) Sportlichkeit. Die beheizbare Heckscheibe geben die Franzosen 1977 ebenfalls jedem Neuwagen mit auf den Weg, wie auch eine umfangreiche Hohlraumversiegelung.

Die soll den GS vor dem schlimmsten Feind schützen, der Korrosion. Sie ist ein Dauerthema für das Modell, und die Ankündigung des Herstellers, dass dieser Gegner künftig keine Chance mehr hat, ist überoptimistisch.
Nonkonformismus und der Rostschutz des Citroën GS
Denn ein guter Hohlraumschutz ist die eine Sache, der Nonkonformismus eine andere. Spätestens beim zweiten Besitzer gewinnt Letzterer. Die Citroën Kundschaft setzt sich damals zum großen Teil aus Frankreich Liebhabern und Freigeistern zusammen, die es gerne etwas entspannt angehen lassen. So wie Inspektionstermine nur Empfehlungen sind, so hält man es auch mit der Rostvorsorge oder vorgeschlagenen Nachbehandlungen.
Man bleibt locker, lässig und frönt weiter dem Nonkonformismus. Das dünne Blech des Citroën GS nimmt das umgehend übel, es reagiert sensibel, und von den 1.896.742 Exemplaren des GS fällt die Mehrzahl der Korrosion zum Opfer. Karosseriearbeiten lohnen sich selten. Nachschub ist noch genug verfügbar, und so verschwinden sehr viele GS frühzeitig in der Schrottpresse.
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