Die 60er Jahre waren, was die Werbung betraf, sehr besonders. Damals saßen Werbegrafiker an den Zeichenbrettern und gestalteten mit viel Akribie einzigartige Anzeigen. Alles war analog und passte der Entwurf nicht, ging man zurück auf Anfang. Mit Geduld, Liebe zur Arbeit, aber auch damals schon mit dem Druck der Auftraggeber im Nacken.
Dann gab es bis in die 70er Jahre hinein die Anzeigen, die kleine Geschichten erzählten. Volvo war gut in dieser Disziplin, aber auch Citroën. Die Avantgarde aus Frankreich hatte die DS, die Göttin, die für Stil und Fortschritt stand. Manchmal auch für kleine Liebesgeschichten, oder was immer sich im Kopf des Betrachters der jeweiligen Anzeige abgespielt haben mag.

Citroën wirbt besonders stilvoll für die DS
Im Jahr 1963 ist die DS in einem Alter, indem sie nach heutiger Zeitrechnung bereits ein Facelift hinter sich hätte und auf die Ablösung warten würde. 8 Jahre am Markt, das ist für fast jedes Auto eine lange Zeit. Aber die DS ist kein gewöhnliches Auto, sie ist die Göttin. Und sie wird noch lange unter den Menschen sein, wird als Neuwagen bestellbar bleiben, und sich mit den Jahren immer wieder verändern (Link), aber sich nie verleugnen.
Was für Citroën ein Mythos ist, ist für die Werbegestalter eine Herausforderung.
Denn generell hat man über die DS schon alles geschrieben, jeder kennt sie, auch wenn sie immer noch so aussieht, als ob sie von einem fremden Planeten käme. Da kommt eine Geschichte gerade recht, die Begegnung zweier Menschen, die DS fahren und die damit auf jeden Fall schon mal eine Gemeinsamkeit haben.
Citroën arrangiert die Geschichte sehr subtil. Eine DS, vielleicht auch eine ID, teilweise ins Bild gerückt. Zwei Menschen, ein Blumenstrauß, eine Umarmung oder doch ein Kuss? Das ist Poesie und das Gesamtkunstwerk nennt man die Begegnung. Die Szenerie könnte aus einer Claude Chabrol Verfilmung stammen, der Regisseur ist damals äußerst erfolgreich.
Das ist stilvoll, so wie die Werbung für die DS stilvoll ist, und Citroën lässt dem Betrachter genug Freiraum für seine Fantasie.

Wozu Technik und Details, wenn man Stil und Poesie haben kann?
Auf dem Bild sieht man die Ur-DS, die DS 19, die eigentlich der Anfang aller Dinge ist und gleichzeitig auch nicht. Denn 1962, nach 7 Jahren Bauzeit, gab es auch für die Göttin ein dezentes Facelift. Komplett konnten sich weder Citroën noch das Ausnahmeauto dem Lauf der Dinge entziehen. Es gibt ein neues Armaturenbrett, die Instrumente werden geändert, die Aerodynamik wird nochmals optimiert. Und die DS gibt es jetzt auch mit einem konventionellen Schaltgetriebe.
Das alles hätte Citroën im Anzeigetext erwähnen können. Man verzichtet darauf, wählt stattdessen Poesie und Kunst und wirbt stilvoll für die einzigartige DS.
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Einfach schön, das ist Autokultur.
Die DS ist Kult, so etwas gibt es nur einmal.
Ich würde zumindest beim roten Auto von einer ID ausgehen, denn die DS hatte einen Chromrand um den vorderen Blinker, bei der ID war’s transparenter oder (wie hier für Deutschland) orange gefärbter Kunststoff. Ausserdem hatte die DS am Schweller eine ca.2cm breite Chromleiste, die dem roten Auto ebenfalls fehlt. Beim schwarzen Auto ist beides nicht zu sehen, ebensowenig die „Trompeten“ der hinteren Blinker; diese waren bei der ID kürzer und aus schwarzem Kunststoff, bei der DS verchromt und länger und setzten die Dachlinie schöner fort. Bei aktuellen Restaurierungen wird häufig auch bei ID-Modellen auf diese edleren DS-Teile zurückgegriffen – durchaus verständlich und m.E. auch legitim, denn besonders die „Trompeten“ der DS sind eindeutig schöner! Eindeutig falsch ist aber, wenn bei diesem Auto stets von der „DS“ gesprochen wird, auch wenn es sich um eine ID handlet. Auch wenn Citroën selbst ab 1968 (grosses Facelift) dieser „Unsitte“ mit den neuen Modellbezeichnungen für die ID-Typen „DSpecial“ und „DSuper“ (später „DSuper5“ für das 5-Ganggetriebe) natürlich kräftig Vorschub geleistet hat…