Saab liefert Flugzeugqualität und gewinnt Rallyes – reicht das?

Eine Reise zurück in das Jahr 1963 kann aufschlussreich sein. Saab als Autohersteller existiert zu dieser Zeit in Deutschland nicht wirklich. Ein privater Importeur in Bremerhaven versucht seinen Landsleuten, die Marke aus Trollhättan schmackhaft zu machen. Das sollte nicht allzu schwer sein, die Fakten sprechen eine klare Sprache.

Denn Saab ist zu dieser Zeit der größte europäische Flugzeugbauer, die Saab Lansen und 105 sind technologisch führend und mit Datasaab beginnt in Schweden das Computerzeitalter. Der Ruhm der Flugzeuge strahlt auch auf die Automobil-Division ab, welche ihre Produktion in den ehemaligen Flugzeug-Hangars in Trollhättan betreibt.

Dass ausgerechnet der jetzt stillgelegte Tower als Labor zur Erprobung der Motoren dienen muss, verstärkt den Mythos der Flugzeugmarke nochmals.

Saab - ein Auto in Flugzeugqualität
Saab – ein Auto in Flugzeugqualität

Saab liefert Flugzeugqualität und gewinnt Rallyes – reicht das?

In der Wirklichkeit ist es das stets knappe Budget, welches den Tower zweckentfremdet. Das Gebäude hat seine ursprüngliche Verwendung verloren, also sucht man eine sinnvolle Nutzung. Ein Schlauch leitet die Abgase nach außen, innen herrscht ein Höllenlärm, wenn die Zweitaktmotoren unter Dauervollgas in der Erprobung laufen. Aber Saab ist eine Macht mit seinen Zweitakter-Modellen und dominiert in seiner Fahrzeugklasse den Motorsport in Schweden.

Nicht nur dort ist man erfolgreich, Erik Carlsson fliegt 1962 und 63 über die Seealpen nach Monaco und macht den Sieg für Saab bei der Monte-Carlo-Rallye klar (Link).

Importeur Berding nutzt die Erfolge für seine Werbung. 150 gewonnene Rallyes in 10 Jahren, eine einmalige Straßenlage, der Saab ist ein schwedischer Wagen nicht nur für Rallyefahrer.

Die Flugzeugqualität, mit der Saab offensiv wirbt, nutzt auch der deutsche Partner. Flugzeugqualität und das schöne Wort flugstahlverstärkt sollen die Käufer überzeugen, sich einen Wagen aus Trollhättan zu kaufen.

Printwerbung für den Saab 96 im Jahr 1963
Printwerbung für den Saab 96 im Jahr 1963

Die Flugzeugqualität von Saab überzeugt 1963 nur wenige Kunden

Doch erfolgreich ist die Werbung nicht. Der Importeur findet 1963 nur 34 Kunden für den Saab 96 (Link), offensichtlich nutzen die Rallye-Siege und die Flugzeugqualität nichts. Die Schweden übernehmen wenig später den Import selbst, aber auch ihr Einstieg wird kein Durchmarsch. Die Marke tut sich schwer damit, in Deutschland etabliert und anerkannt zu werden.

Erst ab 1966 geht es langsam nach oben, und in Berlin gewinnen die Schweden die Familie Bredlow für sich, die zum ersten offiziellen Saab-Händler in Deutschland ernannt wird. Bredlow (Link) ist heute noch immer mit Saab erfolgreich, mittlerweile in der 3. Generation, auch wenn es die Marke nicht mehr als aktiven Autohersteller gibt. Technologisch führende Flugzeuge hingegen produziert Saab weiterhin und ist damit international präsent und anerkannt.


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