Was Sie nicht probieren sollten, wenn Sie keinen Saab 99 fahren

Was war 1973 das alles beherrschende Thema für die Autoindustrie? Die erste Ölkrise hatte die Branche schwer getroffen, der Absatz stagnierte und benzinsparende Fahrzeuge standen plötzlich im Fokus der Verbraucher. Alle Hersteller bewarben jetzt möglichst sparsame Varianten aus ihrem Angebot.

Wirklich alle?

Nicht so bei Saab. Die Schweden blieben nordisch-kühl und agierten gegen den Trend. Statt über spritsparende Technologien nachzudenken, philosophierten sie über Stoßfänger und Aufprallgeschwindigkeiten. Und darüber, was man nicht tun sollte, falls man keinen Saab 99 fahren würde.

Saab 99 - Sicherer geht’s nicht
Saab 99 – Sicherer geht’s nicht

Was Sie nicht probieren sollten, wenn Sie keinen Saab 99 fahren

Den 99 hatte Saab 1968 auf den Markt gebracht. Er war der erste Beitrag der Marke in der Mittelklasse, zuvor hatten die Schweden nur Kleinwagen angeboten. Obwohl die Fachpresse durchweg positiv über den neuen Saab schrieb, blieb die Begeisterung des Publikums verhalten.

Vielleicht war sie das sogar bei Saab selbst, denn Formengestalter Sixten Sason, welcher den 99 als sein letztes Werk zeichnete und der zuvor alle Fahrzeuge der Marke entworfen hatte, plädierte ursprünglich für eine extravagantere Form.

Überstimmt vom Management entstand aber eine konservative Limousine, die rückblickend in jeder Hinsicht viel zu brav war. Es sollte rund 10 Jahre dauern, bis der 99 als wilder Turbo durchstarten würde und das Image von Saab komplett verändern sollte. In der Zwischenzeit verbesserte die Marke den 99 kontinuierlich, dem man nie nachsagen konnte, keine großartige Qualität zu liefern.

1972 führte der Hersteller aus Trollhättan die aktive Stoßstange ein. Die nahm dem 99 etwas von seiner filigranen Eleganz, punktete aber mit spannenden Werten. Der neue Stoßfänger, wie ein mehrlagiges Sandwich aufgebaut, konnte sich selbst reparieren. Eine Aufprallgeschwindigkeit von bis zu 8 km/h nahm der Saab ab sofort klaglos hin. Die Stoßstange war in der Lage, die vorübergehende Verformung selbst auszugleichen, eine Reparatur war nicht mehr nötig.

Was man nicht tun sollte, wenn man keinen Saab 99 fährt
Was man nicht tun sollte, wenn man keinen Saab 99 fährt

Die aktive Stoßstange war nur eine Innovation im Saab 99

Die aktive Stoßstange war nur eine Innovation, welche im 99 Weltpremiere feierte. 1970 hatte Saab schon die Scheinwerfer-Waschanlage eingeführt, die später zum optischen Erkennungszeichen aller Schwedenautos wurde.

Nur ein Jahr später folgte die elektrische Sitzheizung, 1973 dann der Dachhimmel aus einem stoßabsorbierenden und damit sicheren Material. Dass der 99 ein klar definiertes, ergonomisches Cockpit (Link) hatte, dadurch seiner Zeit voraus war, und dass die Sicherheitsforscher das Zündschloss in der Mittelkonsole platzierten, gehört ebenfalls zu diesem unscheinbaren Auto dazu.

So viele Innovationen in einem Auto sollten einfach zu verkaufen sein, denkt man. Doch die Saab Deutschland Niederlassung in Frankfurt-Niedereschbach warb für ihr Produkt auf eine Weise, die sachlicher nicht hätte sein können. Der Querschnitt der Stoßfänger und ihr Aufbau Schicht für Schicht dürften damals nur vereinzelt potenzielle Kunden emotional abgeholt haben.

Sie war verkopft, statt mitreißend, adressierte aber vielleicht genau die Klientel, die Saab überzeugen wollte. Das sollen Lehrer, Architekten und Rechtsanwälte gewesen sein, sagt man. Ob Saab sie erfolgreich ansprechen konnte?


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