Die einen nannten sie Stromform. Die anderen nannten sie Badewanne. Wir würden heute von Aerodynamik und Stromlinien sprechen. Der Ford 17 M (P3) war die beliebte Oberklasse aus Köln in den frühen 60er Jahren. Die von Designer Uwe Bahnsen gezeichnete Karosserie war für manche zu revolutionär, für viele andere vernünftig. Der Spitzname im Volk? Der 17 M wurde als Badewanne fast unsterblich.
Für etliche stellte der 17 M den Einstieg in eine gehobene automobile Klasse dar. Aufsteiger von anderen Marken kommend und erfolgreich im bundesdeutschen Wirtschaftswunderland unterwegs, leisteten sich die große Limousine, die es ab Werk auch als Kombi gab.
Für Ford Köln brachen goldene Zeiten an. Mit dem 17 M fand man in der gehobenen Liga zumindest kurzfristig den Anschluss an den Dauerrivalen Opel, der mit dem Kapitän die Motorhaube sogar noch vor Mercedes hatte.

Die Stromform des Ford 17 M war einst wegweisend
Verglichen mit dem Opel war der Ford allerdings das Design betreffend das europäische Auto von morgen, und der Kapitän mit Heckflossen der amerikanische Beitrag von gestern. Tatsächlich machte das sachliche Design den 17 M zur Ikone. Ford propagierte in der Werbung die Linie der Vernunft und der Slogan war derart erfolgreich, dass er bis zum Capri II Bestand hatte.
Die optimierte Form brachte dem 17 M eine um 20 % bessere Verbrauchsbilanz als beim Vorgänger, die Rheinländer warben mit optimistischen 7,9 Litern auf 100 Kilometern beim 17 M 1500 mit 55-PS-Motor. Zeitgenössische Testberichte sahen das etwas anders. Der Vergasermotor lag im wahren Leben knapp bei einem 10-Liter-Verbrauch, was immer noch ziemlich gut für eine Limousine in dieser Klasse war.
Davon abgesehen bescheinigten die Tester eine hohe Endgeschwindigkeit und auch im oberen Geschwindigkeitsbereich einen geringen Verbrauch, den die Stromlinie zu verantworten hatte. Dass die so gepriesene Höchstgeschwindigkeit, je nach Motor, zwischen 136 und 160 km/h liegt, nimmt man heute mit einem feinen Lächeln zur Kenntnis.

Das ikonische Bahnsen Design trifft auf einfache Technik
Ford mixte den Taunus 17 M nach einem bewährten Konzept. Die ikonische Bahnsen-Form traf auf eine einfache Technik, viele Teile, darunter das Fahrwerk, wurden unverändert vom Vorgänger übernommen. Sogar das Bordnetz musste weiterhin mit 6 Volt zurechtkommen, ein echter Kontrast zur fortschrittlichen Stromform.
1963 werben die Kölner Ford Werke in den deutschen Printmedien für den 17 M und die Stromlinie. Die Form würde bleiben, auch nach der anstehenden IAA, versprachen sie. Im Hintergrund liefen jedoch schon die V4 Motoren für den Nachfolger P5 warm. Die große Badewanne machte sich bereit, die zwar auch die Linie der Vernunft war, aber doch vollkommen anders.
Der CW-Wert würde dank Feinarbeit weiter sinken, von 0,394 auf 0,374, Fahrleistung und PS würden steigen, der Verbrauch gleich bleiben. Der Taunus würde erwachsener sein. Doch die eigentliche Ikone war die erste charismatische Stromform von Uwe Bahnsen (Link) im P3, sagen zumindest ihre Fans.
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