Der VW-Porsche 914 setzt neue Maßstäbe bei Straßensportwagen

Vielleicht war der Name das eigentliche Problem. Dieser merkwürdige Doppelname. VW-Porsche stand für jene Gegensätze, die unvereinbar schienen. Da war der VW-Käfer, der Anfang der 1970er Jahre noch omnipräsent war. Quasi an jeder Straßenecke parkte ein Exemplar. Der Käfer war populär, aber so weit entfernt von Sportlichkeit wie Wolfsburg von Zuffenhausen.

Auf der anderen Seite stand Porsche, der 911 war damals schon eine unsterbliche Ikone und Käfer und 911 verband lediglich die gemeinsame Geschichte. Wie es zur Kooperation zwischen beiden Herstellern kam und dass eine gute Idee scheiterte, die sowohl Porsche als auch Volkswagen einen Sportwagen schenken sollte, darüber ist schon alles geschrieben worden.

Im Ergebnis aber musste der 914 mit dem Namen VW-Porsche leben. Und das war schwierig.

VW-Porsche 914 - Mittelmotorsportwagen, der Maßstäbe setzt
VW-Porsche 914 – Mittelmotorsportwagen, der Maßstäbe setzt

Der VW-Porsche 914 setzt neue Maßstäbe bei Straßensportwagen

Denn VW im Namen wirkte konträr zu Porsche, hob gewissermaßen die Faszination des Sportwagens auf, und am Ende stand eine recht eckige Kiste, die jenseits von elegant war. Auch die ausklappbaren Scheinwerfer sahen Betrachter der Autopresse mit Fragezeichen. Sie konnten aber beruhigend hinzufügen, dass deren Ausfahren laut Hersteller keine Auswirkung auf den Verbrauch haben würde.

Das berichten zumindest die zeitgenössischen Testberichte, die sich mit der arg sachlich geratenen Form nicht anfreunden wollten.

Ein Sportwagen für alle Jahreszeiten
Ein Sportwagen für alle Jahreszeiten

Jedoch abgesehen vom Design, das auch überhaupt keine Verwandtschaft zum 911er zeigte, faszinierte der 914. Er sei ein echter Sportwagen, fanden die Testfahrer der Zeitschrift Auto-Motor-Sport im Jahr 1970. Zwar würde das Mittelmotor-Konzept gewisse Probleme bringen, aber bis der 914 von der Straße abfliegen würde, wären alle Mitbewerber bereits im Straßengraben verschwunden.

Der 914 sei für Landstraße und Kurven genauso wie für schnelle Autobahnfahrten geeignet – man solle aber den 914/6 dem Basismodell vorziehen. Falls das Geld dafür reicht. Tatsächlich gab es einen enormen Preisunterschied zwischen dem bei Karmann gebauten 914/4 mit einem Vierzylinder-Boxer aus dem VW 411 und dem in Zuffenhausen gefertigten 914/6 mit einem Antrieb aus dem 911 T.

Der VW-Porsche setzt Maßstäbe
Der VW-Porsche setzt Maßstäbe

Die VW-Porsche 914 Basis kostete weniger als 13.000 DM. Der Sechszylinder war rund 20.000 DM teuer – womit er dem Porsche 911 T allerdings sehr nahekam. Vielleicht zu nahe, denn der galt als ein echter Porsche, der über alle Zweifel erhaben war.

Die Mehrheit der VW-Porsche-Kunden greift zum Vierzylinder

Im Ergebnis erhielten weniger als 3 % aller gebauten VW-Porsche 914 den Sechszylinder. Die große Mehrheit der Kunden war hingegen glücklich mit den 80 PS, die der 914/4 1970 bot.

Was beide Fahrzeuge vereinte, das war das Targa Konzept. Das nur 9 Kilogramm schwere Dach galt als leicht herausnehmbar, es schenkte beim offenen Fahren wahre Sportwagenerlebnisse, unabhängig von der Motorleistung.

1970 warb die eigens für den 914 gegründete VW-Porsche Vertriebs GmbH doppelseitig mit den Testergebnissen aus der Auto-Motor-Sport. Die Verwandtschaft zum Porsche 911 wird beschworen und die für einen Sportwagen ungewöhnliche gute Raumausnutzung.

Freilich sind rückblickend die Aussagen nicht komplett nachvollziehbar, denn abgesehen von vielen Qualitäten, die der 914 als Sportwagen hatte, galt das 5-Gang-Getriebe als so unerfreulich zu schalten, dass die Modellpflege 1973 Verbesserungen durchführen musste.


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