Mit der neuen Klasse bläst BMW zum Angriff auf Alfa Romeo

1961 zeigt BMW die neue Klasse. Die sportliche Limousine wird die Welt der Marke verändern und noch viel mehr. Sie wird Alfa Romeo vor sich hertreiben, denn die Italiener haben zu dieser Zeit das Marktsegment fest im Griff. Die neue Klasse von BMW wird zu einem hartnäckigen Rivalen der Alfa Romeo Giulia (Link).

Die gilt als Benchmark, sie bietet überlegene Technik und Fahrleistungen und die Münchner stellen sich der Herausforderung. Zuerst zaghaft, denn der BMW 1500 mit 80 PS ist keine echte Konkurrenz. Bis auf Weiteres nicht. 1963 blasen die bayerischen Gebirgsschützen aber zum Angriff. Mit dem BMW 1800 und 1800 TI erscheint eine harte Konkurrenz an der Nordseite der Alpen.

Fortan muss sich die Giulia warm anziehen.

Die Autowelt ändert sich mit dem BMW 1800
Die Autowelt ändert sich mit dem BMW 1800

Mit der neuen Klasse bläst BMW zum Angriff auf Alfa Romeo

Wahlweise 90 oder 110 PS stehen jetzt gegen 97 der Giulia Super, die sehr knapp bei den Fahrwerten das Scudetto vor dem blau-weißen Propeller behaupten kann. Die neue Klasse ist für BMW epochemachend, sie zeigt das Design für folgende Fahrzeuggenerationen auf und inszeniert stilbildend die Doppelniere und den Hofmeisterknick an der C-Säule.

Beides ist fortan heilig für die Bayern. Dass BMW und nicht Alfa Romeo zukünftig das Segment der sportlichen Limousinen dominieren wird, liegt auch an der behutsamen Weiterentwicklung einer Marke, die nicht in dramatisches Fahrwasser gerät, wie es bei Alfa Romeo passiert.

BMW spielt die Sportwagenkarte geschickt aus, der 1800 TI dominiert die deutsche Rundstreckenmeisterschaft und 1965 holt Pascal Ickx den Sieg im 24-Stundenrennen in Spa. Generell geschieht bei BMW jetzt das, was auch bei Alfa Romeo in diesen Jahren der Fall ist. Privatfahrer entdecken die neue Klasse für sich, bewegen sie im Motorsport, gewinnen im Wettbewerb und das Image zeigt steil nach oben.

Die neue Klasse - 1963 bläst BMW zum Angriff auf Alfa Romeo
Die neue Klasse – 1963 bläst BMW zum Angriff auf Alfa Romeo

Die neue Klasse ist die Trumpfkarte für BMW

Für BMW, frisch aus der Unternehmenskrise kommend, wird die neue Klasse der entscheidende Trumpf. Die Kennzahlen konsolidieren sich, die Gewinne sprudeln und die ruhige Hand des Hauptaktionärs, welcher der Firma Sicherheit und Zeit gibt, zahlt sich aus.

Die neue Klasse wird zum Urvater der BMW 3er, 5er und 7er-Baureihe. Alles, was darauf folgt, evolutioniert deren Design, speziell der 3er-BMW wird zum Inbegriff der sportlichen Limousine für Jahrzehnte. Die Technik, welche BMW damals für seine neue Klasse verwendet, ist jedoch nicht ganz so elitär wie bei Alfa Romeo.

Aber sie ist zuverlässig. Die Wartung ist einfacher und manch einer, der genug von seiner kapriziösen Giulia hat, wechselt die Marke. Für Alfa Romeo sind die 329.626 BMW-Limousinen, die bis 1972 verkauft werden, noch kein echtes Problem. Die Schwierigkeiten macht man sich in Italien mit Vorliebe selbst, die Dominanz der Bayern kündigt sich erst an. Aber die neue Klasse ist der Auftakt dieser Geschehnisse.


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Andreas Marazzi
Andreas Marazzi
1 Jahr zuvor

Eine kleine Korrektur am obigen schönen Artikel: Ob der „Hofmeisterknick“ tatsächlich vom damaligen Chefdesigner stammt, ist umstritten. Tatsache ist jedoch, dass dieses BMW-typische Design-Detail bereits beim früher erschienenen 3200 CS (ein Luxus-Coupé auf Basis der „Barockengel“ 501/502) zu sehen ist – welcher übrigens bereits sehr ähnliche Schlussleuchten wie der spätere 1600-2 trug.
Offiziell „02“, also 1502/1602/1802/2002 hiessen die Autos übrigens erst ca. 1 Jahr nach Erscheinen des 2002, also etwa ab 1969/70. Die „2“ beim 1600-2 stand für „2-türig“ – im Unterschied zur bisherigen „Neuen Klasse“ mit 4 Türen.

Und noch etwas: dass BMW überhaupt dieses Segment des Marktes beackerte, war die Idee des damaligen Vetriebschefs (heute wäre es der Marketingleiter) Paul G. Hahnemann, der ebendiese Nische einer famlientauglichen Sportlimousine, welche Alfa schon seit fast 10 Jahren füllte, mit einem deutschen Auto bereicherte – und ihm den Spitznamen „Nischen-Paule“ bescherte. Ohne Hahnemann wäre aus BMW nicht das geworden, was BMW bis heute ausmacht, deshalb darf dieser Name vor allem im Zusammenhang mit der „Neuen Klasse“ nicht fehlen.

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