Ein Auto, das spannende Geschichte erzählt, der Lancia Beta 1800

Ach, der Lancia Beta wird jetzt der Markenkenner sagen. Der erste Lancia, der nach der Übernahme der Nobelmarke durch Fiat auf den Markt kam. Das Projekt wird jedoch schon viel früher begonnen. In den Jahren vor 1969, als Lancia noch Herr im eigenen Haus ist.

Die Realisierung läuft bereits seit Mitte der 1960er Jahre. Citroën GS und CX verfolgen eine ähnliche Designphilosophie, auch in Schweden und England reifen Konzepte heran. Das Schrägheck ist groß im Kommen, und europaweit arbeiten fast alle Marken an eigenen Interpretationen.

Fertig wird Lancia freilich nicht, Fiat steigt zuvor ein und der Beta wird nochmals überarbeitet.

Lancia Beta 1800, ein Auto kann Geschichten erzählen
Lancia Beta 1800, ein Auto kann Geschichten erzählen

Ein Auto, das spannende Geschichte erzählt, der Lancia Beta 1800

Die Motoren liefert jetzt der Eigentümer aus Turin zu, der Lancia Beta 1800 bekommt einen Vierzylinder Lampredi Motor mit doppelter Nockenwelle, er ist für die Baureihe in verschiedenen Hubraumgrößen verfügbar. Seitdem haftet ihm der Ruf an, ein verkleideter Fiat zu sein. Das ist er keineswegs. Sein Konzept ist aufwendig und der Zeit voraus. Der Beta besitzt unter anderem eine Sicherheitslenksäule, einen integrierten Überrollbügel und ein Super-Duplex-Bremssystem. Die aufwendige Camuffo Hinterachse, die viel später in mehreren Modellen der Fiat-Gruppe zu finden sein wird, ist eine Konstruktion, die es zuerst im Lancia Beta gibt.

Doch der Beta kann Geschichte erzählen und muss weitere Modifikationen über sich ergehen lassen. Citroën und Fiat träumen von einer Ehe oder zumindest Partnerschaft. Der Lancia Beta scheint beiden ideal, um das gemeinsame Produktangebot zu vervollständigen – der Beta soll Fahrwerksteile des Citroën CX übernehmen.

Zeitweise ist sogar die Rede davon, die Hydropneumatik in den Beta zu transplantieren, die Fahrwerkkonstruktion wird in Teilen geändert, um Citroën Komponenten aufzunehmen.

Allerdings wird es nichts mit der geplanten Ehe, die kulturellen Unterschiede erweisen sich als zu groß, und am Ende landet nur das Getriebe des Citroën CX im Lancia Beta. Dort bleibt es bis zum Ende der Produktion, denn eine weitere Änderung ist allen Beteiligten zu teuer.

Lancia Beta 1800, Werbung für die Version des Jahres 1975
Lancia Beta 1800, Werbung für die Version des Jahres 1975

Der Lancia Beta 1800 kommt mit Fiat und Citroën DNA

1972 ist es dann endlich so weit. Der Lancia Beta 1800 mit Fiat und Citroën Anleihen erscheint auf dem Markt. Wie es sich für einen Lancia gehört, ist er gut verarbeitet und reichhaltig ausgestattet. Kritiker mäkeln an der Fiat-Geschichte herum und sind sich einig, dass er zu wenig Lancia-Identität verbreitet. Andere halten das Schrägheck für gut, bemängeln die kleine Klappe des Kofferraums und monieren die fehlende Heckklappe.

Auf die hat man bei Lancia bewusst verzichtet, so wie es Citroën auch beim CX entscheidet. Das Öffnen der Klappe wird als unschicklich in dieser gehobenen Fahrzeugklasse empfunden, die Passagiere im Fond könnten unter der Zugluft leiden.

Über die Jahre entwickelt sich bei Lancia eine ganze Produktfamilie, die auf dem Beta basiert. Es entsteht ein Coupé, eine offene Version, ein Kombicoupe, ein Sportwagen mit dem Namen Monte Carlo und eine mit dem Zusatz Trevi versehene Limousine. Die Geschichte läuft von 1972 bis 84, dann schlägt Lancia zusammen mit Saab ein neues Kapitel auf und der erfolgreiche Lancia Thema rollt zu den Kunden.

Was dem Lancia mittelfristig zum Verhängnis wird, ist die hohe Rostanfälligkeit. Der Fiat-Konzern bezieht minderwertigen Stahl aus der Sowjetunion, der auch bei Lancia zum Einsatz kommt. Dadurch überleben nur wenige Exemplare, vorrangig das Fließheck sowie die Limousine sind besonders rar.


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