Was machte Alfa Romeo einst so beliebt bei den Kunden? Es war die enorme Liebe zum Detail, mit der man in Italien die Autos konstruierte, und die Nähe zum Motorsport. Die Alfa Romeo Alfetta ist ein solches Lehrstück, wie man Autos bauen sollte, welche perfekt auf der Straße liegen und das Versprechen der Sportlichkeit einlösen.
Die Alfetta fährt ab 1972 zu den Kunden und der Hersteller transferiert auf dem direkten Weg Technik von der Rennstrecke in die Limousine. Was zuvor ab den Alfetta 158 und 159 Modellen im Grand Prix Einsatz getestet worden war, und für gut befunden wurde, fließt umgehend in die Serie ein. Alfa Romeo platziert das Getriebe und die Kupplung hinten. Der Motor bleibt vorn und so ergibt sich durch die aufwendige Bauweise eine perfekte Gewichtsverteilung von 50 zu 50 Prozent.
Porsche wird diese Idee später aufnehmen. Aber Alfa Romeo ist einer der Pioniere und die Alfetta bewegt sich damit wie auf Schienen. Die Straßenlage ist phänomenal und sie fährt den Mitbewerbern um die Ohren.

Perfekte Gewichtsverteilung: das Geheimnis der Alfa Romeo Alfetta!
Erstes Opfer der Alfetta wird der neue BMW 520, den sie in einem Vergleichstest deklassiert (Link). Heute liest man auf einigen Seiten, es sei der günstigere Preis, der den Sieg des Alfa Romeo über den BMW zu verantworten hätte. Tatsächlich waren es aber die sportlichen Qualitäten, und während BMW ein tolles Produkt ablieferte, war die Alfetta noch einen Hauch besser.
Man kann den Erfolg der Alfetta in diesen Jahren dem Feinschliff ihrer Konstrukteure zuschreiben. Es gab hochdrehende, wunderbare Motoren und perfekt abgestufte Getriebe und aufwendige Fahrwerke. Die Alfetta kam mit innenliegenden Scheibenbremsen hinten und vorn, und die Ergonomie darf für die Zeit als vorbildlich gelten. Der Fahrer hat sein komplettes Instrumentarium im Blickfeld.
Ob er nach Gehör oder nach Drehzahlmesser den Gang wechselte, darüber kann man diskutieren.
Alfa Romeo verspricht mit der Alfetta Sport und hält das Versprechen!
Wichtig war: Die Alfetta löste ihr Sportlichkeitsversprechen an jedem einzelnen Tag ein. Alfa Romeo war mehr als nur Marketing, es war Motorsport auch für Privatfahrer und Lebensfreude auf dem Weg zur Arbeit.
Einige Produkte, die heute das Label tragen, hätten es damals sicher nicht bekommen.

Doch natürlich birgt die Geschichte der Alfetta auch eine ganze Menge Dramatik, die Alfa Romeo immer begleitete. Das Werk in Arese ist eines der modernsten in der Welt und die Konstruktionen der Marke sind fast immer brillant.
Ohne Drama geht es bei Alfa Romeo scheinbar niemals!
Dennoch bringt man es fertig, den Ruf zu schädigen und die Liebe der Kunden zur Marke immer wieder auf die Probe zu stellen. In den 1970er Jahren erschüttern Streiks und wilde Machtkämpfe der Gewerkschaften Italien. Nicht nur die Alfasud Modelle (Link) werden in Mitleidenschaft gezogen, auch Arese macht eine schwere Zeit durch.
Das hinterlässt Spuren bei der Qualität der ausgelieferten Fahrzeuge und sorgt für Sorgen bei den Händlern und ruiniert manche Liebe zur Alfetta. Dazu kommt die deutsche Presse, welche die Probleme dankbar aufnimmt und daraus Schlagzeilen macht und den Ruf der Marke ernsthaft beschädigt.
Alfa Romeo Fahrer sollen damals einigen Kummer gewohnt gewesen sein, erzählt man sich. Doch spätestens schnell rostende Karosserien beerdigen manche Zuneigung, da hilft auch der Feinschliff der Konstrukteure nichts.
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