Alfa Romeo kann beides. Trocken und auch mit Emotion für den Alfasud argumentieren. Im Jahr 1979 steckt die Welt in der zweiten Ölpreiskrise, und der Ruf nach sparsamen Autos wird laut. Alfa Romeo hat den kompakten Alfasud im Sortiment. Der ist fahraktiv und hat einen besonders drehfreudigen Boxermotor unter der Haube.
Der soll eigentlich gegen den Golf antreten, aber gegen den neuen Diesel Golf aus Wolfsburg kann er zumindest in Sachen Sparsamkeit nicht punkten. Alfa Romeo Deutschland, in Frankfurt-Griesheim, versucht es trotzdem. Mit einer sehr sachlichen Anzeige argumentiert der Hersteller für das eigene Produkt (Link). Die Werbung ist langweilig und passt gar nicht zum Alfasud.
Auch wenn man selbstverständlich betont, dass man keine langweiligen Autos kaufen soll. Aber Alfa Romeo kann auch ganz anders.

Der Alfasud ist auf jeden Fall Emotion und bella Figura
Dem Alfa Sud kann man alles Mögliche vorwerfen. Eine nachlässige Verarbeitung, die ausgeprägte Neigung zur Korrosion. Die kleinen Nachlässigkeiten, über welche der Hersteller hinwegsieht. Eines kann man aber nicht. Dem Alfasud einen Mangel an Emotion vorwerfen.
Die deutsche Niederlassung beginnt, die Autos emotional darzustellen. Es mag sein, dass man in Wolfsburg Autos baut, die effektiver im Umgang mit Kraftstoffen sind. Möglich ist auch, dass BMW in der Zwischenzeit Alfa längst überholt hat und die präziseren Fahrmaschinen baut.
Der Alfasud wird als Emotion und Lebensart in Szene gesetzt
Doch zum Teufel mit den Deutschen! Alfa Romeo ist auch Lebensart, Stil und so inszeniert die Marke in Zukunft die eigenen Produkte. Die Werbung verzichtet auf ausführliche Texte und schreibt nur noch das, was nötig ist. Ohne Effizienzgeplapper, welches heute per Gesetz verpflichtend in jeder Werbung aufgeführt werden muss. Die Leistungsdaten sind genug, dazu die Listenpreise.
Den nötigen Rest erzählt das Foto des Alfasud. Und das alles ist damals neu und ziemlich aufsehenerregend.

Dafür wählt Eimer Riemel, die Kreativen für Alfa Romeo, Straßenszenen jenseits jeder Hochglanz-Inszenierung aus. Im Fall des Alfasud regt nächtliches Kopfsteinpflaster das Denken der Kunden an. Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem roten Alfa mit Frankfurter Kennzeichen?
Geht es um Liebe, Leidenschaft, in welchen Gegenden treibt sich der Alfasud herum? Was könnte die Erzählung hinter dem nächtlichen Alfa am Straßenrand sein?
Jeder, der die Anzeige sieht, findet darauf seine eigene Antwort. Alfa Romeo fordert zum Mitdenken und zur Fantasie auf. Das ist anspruchsvoll, heute fast zumutend, und jene Fotografien, die fast schon als Kunst zu verorten sind, passen gut zur Marke und zum Italien-Gefühl der Deutschen in diesen Jahren. Emotion und Bella Figura mit dem strahlenden Image einer großen Automarke.
Das weckt selbst Jahrzehnte später noch Sehnsucht auf einen Alfasud.
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