An die Renault Frégate erinnerte sich 1975 kaum noch jemand. Bereits vor 15 Jahren war die Produktion eingestellt worden, seitdem gab es in der Oberklasse keinen Renault mehr. Mit dem R30 wollte der Konzern an diese alten glorreichen Zeiten anknüpfen, allerdings ohne dabei allzu viel Geld zu investieren.
Gemeinsam mit dem Rivalen Peugeot arbeitete man zuerst an einem V8 Modell.
Dann, im Sog der Ölkrise, wurde daraus ein V6 und es war die Geburtsstunde des PRV-Motors, der auch unter dem Namen Euro V6 eine gewisse Bekanntheit bekam. Eine weitere Idee, auf eine Hydropneumatik wie bei Citroën zu setzen, wurde ebenfalls verworfen, und am Ende blieb ein etwas konservatives Fließheck-Modell, das in Serie ging.
Peugeot zeigte zeitgleich den 604, eine große, traditionelle Oberklasse-Limousine. Und Renault suchte mit dem R30 den Erfolg.

Der Versuch von Renault, mit dem R30 in der Oberklasse Fuß zu fassen
Der Peugeot 604 galt damals als die gallische Antwort auf Mercedes. Citroën hatte ein Jahr zuvor den neuen CX gezeigt, der den Avantgarde Anspruch der Marke weiter festigen sollte. Der hatte keinen Sechszylindermotor, aber im direkten Vergleich gab sich das Citroën Design wie die Antwort auf die Fragen von morgen, während der Renault in der Gegenwart feststeckte.
So richtig schlüssig, warum man ein R30 kaufen sollte, konnte es niemand erklären. Die große Heckklappe galt als ausgesprochen praktisch, gleichzeitig war sie in dieser Fahrzeugklasse verpönt, und Lokalrivale Citroën weigerte sich nicht ohne Grund über Jahre, sie selbst in das kleinere GS Modell einzubauen (Link). Die Frage nach dem Warum stellten sich auch überraschend viele Kunden, und der Renault 30 blieb vom Start weg weit unter den Erwartungen.
Der Verkauf lief schleppend, speziell der Sechszylinder konnte nicht den erhofften Erfolg erzielen. Dazu kamen Verarbeitungsmängel und billige Materialien, die es in dieser Klasse nicht hätten geben dürfen. Der Frontantrieb, bei Citroën ein Stück der Marken DNA, erwies sich für den großen Renault als Nachteil. Konservative Käufer bevorzugten den konventionellen Heckantrieb und griffen lieber zum Mercedes als zur Alternative aus Frankreich.
Die Akzeptanz blieb aus und jenseits seines Heimatlands spielte der große Renault nie eine bedeutende Rolle.

Der R30 wird für Renault zum Desaster
Trotz allem verbesserte Renault den R30 permanent weiter. 1979 kam die TX Version mit elektronischer Einspritzung (K-Jetronic) und 142 PS auf den Markt. Der französische Computerhersteller Sagem lieferte einen Bordcomputer, und damit lag der R30 im Rennen knapp vor dem Talbot Solara, der als eines der ersten Fahrzeuge mit integriertem Bordcomputer überhaupt gilt (Link).
Nur im Jahr 1976 wurden mehr als 30.000 Oberklasse Renault hergestellt. Sonst lag die Produktion um die 20.000 Fahrzeuge, um dann ab 1980 komplett einzubrechen und auf ein knapp fünfstelliges Niveau zu schrumpfen. Von 1975 bis 1983 konnte der Hersteller nur ca. 145.000 Neuwagen verkaufen. Völlig zum Desaster wurde der Versuch, in Kanada zu punkten. Hier blieb es bei einer niedrigen dreistelligen Zahl von Fahrzeugen.
Einen Anteil an dem Misserfolg hatte sicher der PRV-Motor, der von Anfang an keine Chance gegen die Mitbewerber hatte. Das ungewohnte Fließheck, die lieblose Wahl an Materialien und die nachlässige Verarbeitung sowie der ausgeprägte Hang zum Durchrosten waren schließlich zu viel. 1983 beendete der Konzern das Leiden, der neue R25 sollte als Nachfolger alles besser machen.
Entdecke mehr von carstories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

