Der Renault 12 ist ein fast vergessener Millionenseller für den Weltmarkt

Der Renault 12 kommt Ende der 60er Jahre auf den Markt und wird gleich vom Start weg unter mehreren Markennamen angeboten. Den Anfang macht er als Lizenzprodukt von Dacia als 1300. Kurze Zeit danach startet das Original als Renault 12. In Brasilien wird er als Ford Corcel verkauft.

Die Franzosen haben ein robustes Auto für die Weltmärkte entwickelt, das von 1969 an bis 2004 von Renault selbst und unter verschiedenen Lizenzen gebaut werden wird. Eine ungewöhnliche Karriere, ein Millionenseller, dessen Erfolgsgeheimnis die einfache und robuste Konstruktion ist. Der Renault 12 fährt in Afrika wie in der Camargue oder in Australien, wo er ebenfalls produziert wird. Auch in Neuseeland und der Türkei rollt er von den Bändern.

Und heute ist er fast vergessen.

Der Renault 12 - ein Millionenseller für den Weltmarkt
Renault 12 – ein Millionenseller für den Weltmarkt

Der Renault 12 ist ein fast vergessener Millionenseller für den Weltmarkt

Der Renault 12 ist sicher kein schönes Auto, als er auf dem Pariser Autosalon 1969 präsentiert wird. Schönheitspreise können andere gewinnen, der R12 ist vordergründig praktisch und robust. Er soll die Massenmotorisierung in den Schwellenländern ermöglichen, da gelten andere Prioritäten.

Der Hersteller ist vom Erfolg des Renault 4 motiviert (Link), den überträgt er jetzt in eine höhere Fahrzeugklasse. Der Motor kommt aus dem Renault Dauphine. Die Konstruktion ist technisch gesehen nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Aber sie hat sich millionenfach bewährt, ist ausgereift und preiswert. Das Fahrwerk mit Doppelquerlenkern, Schraubfedern und hinterer Starrachse ist ebenso einfach wie robust, die Straßenlage ist Komfortbetont und fantastisch.

Werbung für den R12, 1971, koloriert
Werbung für den R12, 1971, koloriert

Natürlich hat der Renault 12 Frontantrieb, eine breite Spur und statt der aus dem R4 bekannten Revolverschaltung erhält er eine moderne Mittelschaltung. Der Start verläuft gut, das Gesamtpaket stimmt. Straßenlage, Komfort, Ausstattung, Renault hat einen Treffer gelandet.

Der Limousine folgt ein Jahr später der Kombi, der in Frankreich Break genannt wird. Die sprichwörtliche Zuverlässigkeit macht die Runde, die Renault 12 Serie wird nicht nur in der Heimat rasch zu einem beliebten Auto für Familien und Behörden.

Der Renault 12 in der Bundesrepublik, der Dacia 1300 in der DDR

In der alten Bundesrepublik ist er ebenso beliebt, in der DDR wird er erst 1972 vorgestellt. Als Dacia 1300 ist er das erste moderne Auto, das dort mit Viertaktmotor und Frontantrieb angeboten wird. Das Interesse ist anfangs enorm, doch die von Dacia gelieferte Qualität enttäuscht später. Die Verarbeitung der rumänischen Fahrzeuge entspricht nicht den Erwartungen, die Rostvorsorge lässt Verbesserungspotenzial erkennen.

Das Original, Printwerbung in schwarz/weiß
Das Original, Printwerbung in schwarz/weiß

Im Westen poliert Renault in dieser Zeit weiter an dem Image des Bestsellers. Ein Jahr vor der Premiere in der DDR hat man den Renault 12 Gordini nachgeschoben. Eine heiße Sportversion mit dem Motor aus dem größeren Renault 16 (Link) und eigenem Markenpokal.

In Rumänien bei Dacia geht die Karriere endlos weiter

Die Geschichte in Frankreich und in der Bundesrepublik läuft 1980 aus. Der bewährte Renault 12 wird zuerst in der BRD durch den neuen Renault 18 ersetzt, dann endet auch die Herstellung in Frankreich. In der Türkei geht es unverändert für den Millionenseller weiter, dort gibt es eine Lizenzfertigung, die bis in das Jahr 2000 hinein währt. Den Ford Corcel in Brasilien, ebenfalls ein modifizierter Ableger des R12, kann man 1987 noch kaufen, dann endet auch dort eine Ära. Ein weiterer brasilianischer Ableger, der Ford Del Rey, ist noch 4 Jahre länger im Programm zu finden.

Am längsten hält jedoch Dacia durch. Die Franzosen beenden 1978 ihre Kooperation mit den Rumänen. Aus dem Dacia 1300 wird der Dacia 1310, der immer noch unverkennbar die Grundform des Renault 12 zeigt. Als Dacia 1310, 1320, 1325 oder 1410 geht es die folgenden Jahrzehnte munter weiter, die Fahrzeuge werden meist in östlichen Ländern, kurz aber auch in Israel verkauft. Ein Pickup kommt dazu, ein Fließheck, Dacia schlägt sich mit immer neuen Varianten durch.

Die Produktion läuft, je nach Lesart, 2004 oder 2006 aus. 2004 werden die letzten Limousinen und Kombis hergestellt, zwei Jahre später verlässt der letzte Pickup die Dacia-Fabrik. Eine Weltauto-Karriere endet nach mehr als 30 Jahren.


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